USA
Bushs Timing

Karl Rove, Chefstratege im Weißen Haus, hatte einen Traum: Präsident George W. Bush solle die Sicherheitspolitik zum zentralen Thema machen, und die Republikaner könnten zu einem politischen Durchmarsch ansetzen. So formulierte Rove jedenfalls im Januar 2002. Die Rechnung ging auf. Bushs Partei holte im November desselben Jahres mit einem fulminantem Sieg beide Häuser des Kongresses. Bush erklärte sich daraufhin zum „Kriegspräsidenten“ und marschierte in den Meinungsumfragen von Höhepunkt zu Höhepunkt. Seine Kampagne gegen den internationalen Terrorismus schien zum innenpolitischen Selbstläufer zu werden.

Wer den Terror und später den Krieg gegen den Irak derart in den Mittelpunkt seiner Agenda stellt, darf sich nicht wundern, wenn das Publikum hellhörig wird. So ist es auf jeden Fall bemerkenswert, dass Heimatschutzminister Tom Ridge die Nation Anfang Juli mit einer massiven Warnung vor neuen Terroranschlägen überraschte – einen Tag nachdem der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry seinen Vize John Edwards nominiert hatte.

Die amerikanischen Medien, die stark auf Effekte setzen, hatten sich zuvor auf das Oppositionsteam gestürzt. Nach Ridges Ankündigung, dass El Kaida durch einen Anschlag vor der Wahl des US-Präsidenten am 2. November den demokratischen Prozess aus den Angeln heben wolle, verschwanden Kerry und Edwards buchstäblich von der Bildfläche.

Die Konstellation am letzten Sonntag war ähnlich. Kerry hatte während des Parteitags der Demokraten in der vergangenen Woche die nationalen und internationalen Schlagzeilen beherrscht. Doch der Schwung, mit dem der Kandidat in den Sommer-Wahlkampf starten wollte, wurde durch Ridges jüngste Warnung vor Anschlägen auf die Finanzzentren in Washington, New York und Newark abgewürgt.

Auch wenn hier ein wasserdichter Beweis nur schwer zu liefern ist: Der amerikanische Präsident muss sich ernsthaft fragen lassen, ob es einen Zusammenhang zwischen Timing und Politik gibt. Zumal, wenn sich herausstellt, dass fast alle der neuesten Terror-Informationen tatsächlich aus der Zeit vor dem 11. September 2001 stammen.

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