USA
Ende des Traums

George W. Bush versteht die Welt nicht mehr. Obwohl die US-Wirtschaft im Glanz soliden Wachstums, niedriger Inflation und geringer Arbeitslosigkeit erstrahlt, sind laut Umfragen rund 60 Prozent der Amerikaner mit der Wirtschaftspolitik ihres Präsidenten unzufrieden. Fast die Hälfte meint sogar, es gehe dem Land heute schlechter als zu Beginn der Bush-Ära vor fünf Jahren.

Ökonomen glauben jetzt die Ursache für diesen Widerspruch zwischen guten Wirtschaftsdaten und mieser Stimmung gefunden zu haben: Nach Ansicht von Stephen Roach, Chefvolkswirt der Investmentbank Morgan Stanley in New York, haben das starke Wachstum und die hohe Produktivität die Beschäftigung nur mäßig und die Löhne kaum stimuliert.

So sind in den ersten zwei Jahren der Bush-Ära netto keine neuen Jobs entstanden. Erst seit 2004 konnte die US-Wirtschaft unter dem Strich rund zwei Millionen neue Arbeitsplätze pro Jahr verbuchen. Die beiden Ökonomen Richard Freeman und William Rodgers von der New Yorker Notenbank kommen zu dem Schluss, dass der derzeitige Aufschwung das geringste Beschäftigungswachstum in der jüngeren Geschichte aufweist. Zugleich weisen sie darauf hin, dass die Löhne und Gehälter der Durchschnittsamerikaner kaum mit den Preissteigerungen mithalten konnten.

Dies wirft die Frage auf, wer sonst vom Aufschwung und den Produktivitätszuwächsen profitiert hat. Ein Teil geht auf das Konto der US-Unternehmen, die schon seit ein paar Jahren Rekordgewinne ausweisen. Dies hat mit dazu beigetragen, dass der Anteil der Kapitaleinkommen am nationalen Einkommen in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. Umgekehrt ist weniger in die Lohntüten der Arbeitnehmer geflossen.

Der klassische Verteilungskampf zwischen Arbeit und Kapital kann die heutige Entwicklung jedoch nur noch unzureichend erklären. Denn auch innerhalb der Arbeitnehmerschaft haben sich die Einkommensgewichte dramatisch verschoben, und zwar von unten nach oben. Die Statistiken zeigen, dass hoch qualifizierte Beschäftigte wie zum Beispiel Manager und Ingenieure am stärksten vom Boom profitiert haben. Sie können nicht nur hohe Gehälter und Boni einstreichen, sondern profitieren über ihren Kapitalbesitz auch von steigenden Aktienkursen und Dividenden

.

Auf der Strecke geblieben sind dagegen all jene am unteren Ende der Einkommens- und Bildungsskala, die vor allem von ihren Löhnen leben müssen. Die Hausbesitzer unter ihnen haben zwar auch vom Immobilienboom profitiert. Ihre Vermögenszuwächse stehen allerdings meist nur auf dem Papier oder haben sich durch Hypothekenkredite in Schulden verwandelt.

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