USA
Gescheitertes Konzept

Mit zwei schlichten Sätzen hatte George W. Bush versucht, die Diskussion über seinen Pentagon-Chef zu beenden: „Ich entscheide, was das Beste ist. Und das Beste ist, dass Donald Rumsfeld Verteidigungsminister bleibt.“

Der Präsident setzte sich damit hinweg über den Chor der Ex-Generäle, die Rumsfeld für nahezu jede Misere verantwortlich machen, die seit dem Irak-Krieg die USA belasten. Dabei wäre es verlockend, sich aus dem dramatischen Umfragetief durch die Entlassung seines umstrittensten Ministers zu befreien. Doch Bush hält auch im sechsten Amtsjahr zu Donald Rumsfeld.

Allerdings nicht aus reiner Verbundenheit. Denn im Oval Office gibt es tatsächlich nur einen, der entscheidet. Da mögen die Fernsehbilder von Kabinettssitzungen im Weißen Haus noch so sehr eine Teamverantwortung vortäuschen. Kaum ein anderes demokratisches System überlässt dem Präsidenten eine derartige Machtfülle wie in den USA – nicht einmal das französische. Wissenschaftler sprechen seit Jahrhunderten gerne vom Wahlkönigtum, das in den USA gelte. Der Präsident ist alles und ohne ihn alles nichts. Seine Minister, die ja nicht einmal so heißen, sondern eigentlich nur Abteilungschefs sind, beraten den Präsidenten und haben keinerlei vom Präsidenten unabhängige Kompetenzen. Umgekehrt aber fällt damit auch jede Verantwortung auf den Präsidenten selbst zurück.

Die Kritik an Rumsfeld zielt deshalb gar nicht mal so sehr auf den Verteidigungsminister. Getroffen fühlen darf sich George W. Bush höchstpersönlich. Als Regierungschef und oberster Militärbefehlshaber muss er schon in formaler Hinsicht geradestehen für offensichtliche Versäumnisse. Versäumnisse im Übrigen, die Rumsfeld – mit Ausnahme von Abu Ghraib – gar nicht so leicht nachzuweisen sind. Militärisch hatte der heute 73-Jährige im März und April 2003 den Sturz Saddam Husseins in bravourös kurzer Zeit ins Werk gesetzt. Die Zahl der amerikanischen Gefallenen blieb niedrig, so wie die Kosten für den Krieg. Als am 9. April die Statue des Diktators auf dem Firdus-Platz in Bagdad kippte, befand sich Rumsfeld auf dem Höhepunkt seines Erfolgs.

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