USA
Kommentar: Aufatmen

Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission zum 11. September ist ein totaler Verriss der US-Geheimdienste. In politischer Hinsicht gibt sich der Report jedoch sehr moderat: Zwar seien sowohl unter Präsident George W. Bush als auch unter seinem Vorgänger Bill Clinton mehrere Gelegenheiten verpasst worden, die Terrorpläne zu durchkreuzen.

HB DÜSSELDORF. Aber dies habe eher an institutionellen Schwächen gelegen, eine unmittelbare Verantwortung des Weißen Hauses sei nicht erkennbar. Der mit jeweils fünf Abgeordneten der Republikaner und der Demokraten besetzte Ausschuss war ganz offensichtlich bemüht, sich gut drei Monate vor der US-Präsidentschaftswahl aus der Wahlkampfschlacht herauszuhalten.

Im Mai, als die ersten Details aus dem Bericht in die Medien sickerten, sah dies noch anders aus. Damals hieß es, dass keine Beweise für eine „operative Zusammenarbeit“ zwischen dem Irak und dem Terrornetzwerk El Kaida vorlägen. Damit übte die Kommission indirekte Kritik an der Argumentation der Regierung, die immer wieder Saddams Hilfe für die Terroristen hervorgehoben hatte.

Auch wenn Bush jetzt nicht attackiert wird, so hat er keineswegs einen Freibrief erhalten. Denn die große Frage, die sich derzeit viele Amerikaner stellen, setzt ihn unter Druck: Ist das Land heute sicherer als vor dem 11. September? Und die Zweifel daran nagen am Nimbus des selbst erklärten Anti-Terror- Präsidenten.

Je länger das Chaos im Irak andauert, desto mehr muss sich Bush an seiner ideologisch getriebenen Vision von einer Reißbrett-Demokratisierung am Golf messen lassen. Bush hat erkannt, dass dieser Kurs gefährlich ist: Auf einmal redet er nicht mehr vom Irak, sondern von innenpolitischen Projekten für eine zweite Amtszeit.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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