USA
Kommentar: Brisantes Leck

Noch ist nichts bewiesen, noch gilt die Unschuldsvermutung. Aber es besteht der Verdacht, dass die US-Regierung den Namen einer CIA-Agentin gezielt an die Presse geleitet hat.

Noch ist nichts bewiesen, noch gilt die Unschuldsvermutung. Aber es besteht der Verdacht, dass die US-Regierung den Namen einer CIA-Agentin gezielt an die Presse geleitet hat. Der Geheimnisverrat sei als Repressalie gegen deren Mann gedacht gewesen, den ehemaligen US-Botschafter Joseph Wilson, zitieren US-Zeitungen anonyme Regierungsquellen. Mit der Enttarnung seiner Frau habe man Wilson ausschalten wollen, weil er die Rechtfertigung des Irak-Kriegs torpediert habe.

Wilson war nach Afrika geschickt worden und hatte der Regierung danach einen Strich durch die Rechnung gemacht: Deren Behauptung, dass sich der Irak in Niger um Uran zur Herstellung von Atomwaffen bemüht habe, beruhe auf „gefälschtem Geheimdienstmaterial“, lautete sein Urteil.

Bemerkenswert ist, dass die US-Regierung den Vorfall an sich nicht dementiert. Sie hat vielmehr sofort eine Brandmauer um Präsident George W. Bush und seinen Chefberater Karl Rove gezogen: Beide seien in keiner Weise in die Angelegenheit involviert.

Womit sich die Frage stellt, ob die untere oder mittlere Beamtenebene des Weißen Hauses hinter der gezielten Indiskretion steckt. Das hieße allerdings, dass der Chef seinen Laden nicht im Griff hat. Gibt es hingegen Mitwisser an höherer Stelle, läge ein Hauch von Watergate über der Sache: Dann ginge es um die Diskreditierung von politischen Gegnern und Kritikern mit allen – auch illegalen – Mitteln.

Das Ganze passt zu den Nöten der Regierung, den Irak als Bedrohung für die Sicherheit der USA darzustellen. Für den Präsidenten kann der Fall jedenfalls gefährlich werden: Sein Nimbus der Ehrlichkeit war bislang sein größtes politisches Pfund. bac

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