USA
Loyal bis zum Ende

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Auch der Rücktritt von Alberto Gonzales war ein Loyalitätsdienst am Präsidenten. Denn dieser hätte sicher in bewährter Manier auch weiter an seinem hart umkämpften Justizminister festgehalten. Denn nichts schätzt George W. Bush mehr als unerschütterliche Solidarität. Und diese hatte Gonzales in seinen Jahren in Texas und in den zweieinhalb Jahren als Justizminister in Washington reichlich gezeigt. Doch 16 Monate vor dem Ende der Bush-Präsidentschaft erlöste Gonzales Bush von einer politischen Schwerstlast. Denn der Minister war zu einem weiteren Menetekel für den Präsidenten geworden

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Gonzales’ Loyalität war auch sein Problem. Der Texaner hatte sich tief in die Affäre um die Entlassung von acht Bundesrichtern verstrickt. Im entscheidenden Moment agierte er nicht als unabhängiger Richter, sondern als Getreuer des Weißen Hauses. Nach allem, was bekannt ist, muss man davon ausgehen, dass sich Gonzales dem Druck von Spitzenberater Karl Rove beugte, der unliebsame Richter loswerden wollte. War Roves Handeln von rein machtpolitischen Kriterien geleitet, so hätte dies bei Gonzales nie der Fall sein dürfen. Doch statt Rückgrat zu zeigen, knickte er ein. Er tat das, was vielleicht für den Machterhalt der Republikaner nützlich sein mag, nicht jedoch das, was der Justiz gutgetan hätte: Unabhängigkeit. Darin, und nicht in seiner grundkonservativen Haltung, ist auch die wesentliche Ursache dafür zu sehen, dass Gonzales zu einer Hassfigur der Opposition avancierte. Denn sein Name steht auch für das starre Regime von Guantanamo oder die unbefugten Lauschangriffe auf US-Bürger. Stets verstand sich der Minister als Erfüllungsgehilfe. Tatsächlich war Gonzales bis zuletzt nur das geblieben, was er vor Jahren einmal war: ein enger Berater des texanischen Gouverneurs George W. Bush in Austin.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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