USA
Nach dem Goldregen

Auf den ersten Blick passt es nicht zusammen: Die US-Börsen tasten sich bereits wieder an ihre Rekordstände heran, die Kursrückgänge von Ende Februar sind fast wettgemacht – allen Warnsignalen zum Trotz. Das Produktivitätswachstum in den USA schwächt sich ab, der enge Arbeitsmarkt hat Löhne und Gehälter nach oben getrieben. Das Ergebnis kommt gerade bei den US-Firmen an: Ihre fabelhafte Gewinnserie, immerhin 14 Quartale mit prozentual zweistelligen Wachstumsraten, hat zwischen Januar und März 2007 ihr Ende gefunden. Für das laufende zweite Quartal wurden die Prognosen deutlich reduziert. Haben Investoren das nicht längst bemerkt? Dabei ist die nachlassende Dynamik der Firmengewinne nur ein Gefahrenherd unter vielen für den Finanzmarkt. Volkswirte sorgen sich vielmehr um den Immobilienmarkt, dessen Krise keine großen Kreise ziehen darf. Denn sonst beginnen zwei Stützpfeiler des US-Booms zu wackeln: die sprudelnden Gewinne der Finanzindustrie auf der einen und die bislang schier unerschütterliche Konsumlaune der US-Verbraucher auf der anderen Seite. Addiert man die nachlassende US-Konjunktur und die anhaltenden politischen Spannungen, dann steht unter dem Strich ein Mix, der mindestens zur Vorsicht mahnt.

Noch sind jene Stimmen in der Überzahl, die nach wie vor an die beste aller Welten glauben: Die Immobilienkrise wird sich beruhigen, die Konjunktur sanft landen. Und weil die US-Exporte brummen, wird die Gewinnmaschine künftig eben von außen geschmiert. Haben Berufspessimisten nicht schon 2005 die große US-Krise an die Wand gemalt? Stattdessen setzte es neue Rekordgewinne und die Belehrung, der Goldregen werde weitergehen. Daran haben schließlich viele an der Wall Street ein ganz eigenes Interesse.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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