USA
Selbstlähmung

Die Phase weltweit ungebrochener US-Dominanz ist gerade wieder dabei, sich zu verflüchtigen. Vorallem im Hinblick auf Südamerika fehlt den USA eine klare Linie. Dabei sind die latainamerikanischen Länder mit über 400 Milliarden Dollar jährlich einer der wichtigsten Handelspartner der USA.

Es hätte ein amerikanisches Jahrhundert werden können, aber es bleibt möglicherweise nur bei wenig mehr als einem amerikanischen Jahrzehnt: Die Phase weltweit ungebrochener US-Dominanz ist gerade wieder dabei, sich zu verflüchtigen.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 war Washington so unangefochten wie nie zuvor. Zur Befreiung Kuwaits konnten die USA eine bunte Anti-Irak-Allianz schmieden, die sogar zusammenhielt. Sie konnten die osteuropäischen Staaten umarmen und in die Nato führen. Sie konnten vor dem Hintergrund einer boomenden Volkswirtschaft die Maßstäbe im Welthandel setzen. Und schließlich konnten sie sich über die Vereinten Nationen hinwegsetzen und ohne Mandat erneut gegen Saddam Hussein zu Felde ziehen.

Doch im Schatten der neuen Hegemonie entwickelten sich neue Herausforderungen. Herausforderungen, denen Washington nicht genug Aufmerksamkeit schenkte. Eine davon spielt sich derzeit im amerikanischen Hinterhof ab. Man mag dortige Regierungschefs wie den Venezolaner Hugo Chávez oder den Bolivianer Evo Morales als unseriös abtun. Doch ihr Projekt eines Gegenmodells zur amerikanischen Freihandelszone untergräbt die US-Position mehr, als in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Die Ölvorkommen Venezuelas und die Gasreserven Boliviens verleihen dem Duo eine Macht, die bereits der gemäßigte brasilianische Präsident Lula da Silva zu spüren bekam. Er beugte sich den Ambitionen seiner Nachbarn – weil er von deren Energie abhängig ist.

Dabei steht für die USA viel Geld auf dem Spiel. Lateinamerika ist mit über 400 Milliarden Dollar jährlich einer der wichtigsten Handelspartner der USA. Doch der Eindruck verdichtet sich, dass Washington das Interesse an dem südlichen Nachbarn verloren hat. Lange hatte die Bush-Administration gebraucht, um ein Lateinamerika-Team zusammenzustellen. Und die Programme, die dortige Demokratiebewegungen unterstützen sollen, werden mal finanziert, mal nicht. Beobachter bemängeln seit Jahren, dass den USA im Blick auf Südamerika eine klare Linie fehlt. Und dies umso mehr, als sich Washington in andere Krisen verstrickt und dort seine politischen und militärischen Ressourcen konzentriert: auf den Kampf gegen den Terror, vor allem aber im Irak.

Der Grabenkrieg dort kostet die USA Tausende Menschenleben, Hunderte von Milliarden Dollar, aber auch enorme Reputation. Das dreiste Auftreten des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad wäre ohne das Irak-Desaster kaum denkbar. Ahmadinedschad ist sich bewusst, dass das Drohpotenzial der USA inzwischen hochgradig reduziert ist. Die USA sitzen im Irak so tief in der Klemme, dass ihre Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist.

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