USA
Sheriff Spitzer räumt wieder auf

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Seit Wochen verschärft sich die Krise der Anleiheversicherer in den USA. Die spezialisierten, „Monoliner“ genannten Institute selbst wiegelten lange Zeit ab. Die Banken zierten sich, der kleinen, für das Funktionieren der Kreditmärkte aber wichtigen Branche zur Hilfe zu eilen. Erst jetzt, da kommunale Einrichtungen wie die Hafenbehörde in New York ihre Anleihen nur noch zu Zinssätzen von bis 20 Prozent refinanzieren können, kommt Bewegung in die Sache. Und wieder ist es Eliot Spitzer, der frühere Sheriff der Wall Street und heutige Gouverneur von New York, der den Stein ins Rollen bringt.

Sein Ultimatum an die Branche, die Krise innerhalb von fünf Tagen selbst zu lösen oder eine Aufspaltung durch die Finanzaufsicht zu riskieren, zeigt Wirkung. Der Anbieter FGIC fügt sich in sein Schicksal und schlägt seine eigene Zerschlagung vor. Unterstützt werden Spitzer und sein Versicherungsaufseher Eric Dinallo vom Großinvestor Warren Buffett. Der hatte die Abspaltung der Versicherung für öffentliche Anleihen ins Spiel gebracht und gleich angeboten, das lukrative Geschäft zu übernehmen.

Die Banken mögen über diese merkwürdige Koalition von Staatsdienern und Großkapitalisten lamentieren. Ihnen bleibt kaum eine andere Wahl, als dem Druck Spitzers nachzugeben und den Anleiheversicherern mit einer Kapitalspritze zur Hilfe zu eilen. Durch eine Abspaltung der von den Monolinern für die Banken garantierten Kreditderivate würden diese ihr Bonitätssiegel verlieren.

Die notwendige Folge für die Finanzhäuser wären Abschreibungen, die weitaus kostspieliger ausfielen als eine Rettung der Versicherer. Dass die Banken zu dieser Einsicht erst durch massiven staatlichen Druck gelangen, ist kein Ruhmesblatt.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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