USA
Tanz auf dem Vulkan

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Die Furcht ist zurückgekehrt und frisst sich wie ein Lauffeuer durch die Finanzmärkte. Die Meldungen allein eines Tages zeigen, dass es an allen Ecken der Finanzwelt schwelt. Große US-Banken stoßen mit einem Finanzierungspaket für den Chrysler-Verkauf bei den Investoren auf Granit. Für Pimco-Manager Bill Gross ist das ein Zeichen, dass sich die Welt auf den Kreditmärkten schlagartig verschlechtert hat. Die Ratingagentur Moody’s spricht von einem Realitätscheck für die Finanzgemeinde. In den USA greift die „Subprime“-Krise jetzt auch auf die Hypothekenkunden mit guter Bonität über. In Japan kann die Großbank Nomura ihre Hypothekenanleihen nicht mehr schnell genug verkaufen. Die nervösen Aktienmärkte fahren Achterbahn.

Noch immer rätseln die Experten darüber, wie folgenschwer die Korrektur auf den Kreditmärkten ist. Klar ist bereits, dass viele Fachleute die Subprime-Krise unterschätzt haben. Selbst US-Notenbankchef Ben Bernanke musste kürzlich einräumen, dass die Probleme im untersten Segment auf andere Kreditmärkte übergreifen. Countrywide Financial, der größte Baufinanzierer in Amerika, rechnet nicht vor 2009 mit einem Ende der Zahlungskrise. Der US-Konjunktur hängt also für längere Zeit ein Klotz am Bein. Noch gravierender könnten die Folgen auf den Kreditmärkten für Unternehmen sein. Die Probleme von Chrysler und Cerberus sind kein Einzelfall. Mehr als 30 Finanzierungen sind in den vergangenen Wochen ins Stocken geraten. Meist handelt es sich dabei um Finanzpakete für Unternehmenskäufe durch Private-Equity-Firmen. Das größte Risiko tragen in vielen Fällen die begleitenden Banken. Diese haben sich von den Buy-out-Königen zu riskanten Finanzierungsversprechen hinreißen lassen und laufen jetzt Gefahr, auf den Risiken sitzen zu bleiben.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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