USA
Tief in der Irak-Klemme

Seit dem Ende des Krieges will die Irak-Operation der USA nicht mehr gelingen. So schnell der Fall Bagdads nach 21 Tagen erfolgte und so gering die Kosten mit rund 20 Milliarden Dollar auch ausfielen, so teuer müssen die USA ihr Engagement in dieser Nachkriegsphase bezahlen.

Wenn Macht noch immer den Charakter hat, den ihr Max Weber einst zuschrieb, haben die USA derzeit wenig Macht – zumindest im Irak. Macht sei jede Chance, den eigenen Willen auch gegen widerstrebende Interessen durchzusetzen, lehrte zu Beginn des letzten Jahrhunderts der große Soziologe. Doch im Irak können die USA nur einen kleinen Teil ihrer Macht wirklich ausüben. Sie haben zwar Saddam Hussein gestürzt. Damit endet die Erfolgsgeschichte der USA im Irak aber auch schon – zumindest bis auf den heutigen Tag.

Seit dem Ende des Krieges will die Irak-Operation der USA nicht mehr gelingen. So schnell der Fall Bagdads nach 21 Tagen erfolgte und so gering die Kosten mit rund 20 Milliarden Dollar auch ausfielen, so teuer müssen die USA ihr Engagement in dieser Nachkriegsphase bezahlen. Mehr als 50 tote alliierte Soldaten, wachsende Proteste der Bevölkerung – und vor allem: kaum Aussicht auf einen schnellen Wiederaufbau. Wo Hinterhalte drohen und sich das Umfeld alles andere als freundlich präsentiert, will niemand investieren. Das aber wäre der Schlüssel für den Erfolg. In einem Klima des Aufbruchs würden antiamerikanische Gewalttaten keinen Nährboden finden. Wer zu verlieren hat oder gar Aussicht auf Gewinn, der würde das Zündeln lassen. Doch zumindest für Teile des Landes gilt das Gegenteil: Nicht weniger als eine „Kriegszone“ nannte jetzt, über drei Monate nach dem Ende der Kampfhandlungen, US-General Richard Myers das sunnitische Dreieck westlich von Bagdad.

Und daran wird auch die Ankunft frischer Truppen aus Polen, Spanien, der Ukraine und anderen Ländern nichts ändern. Zu unsicher erscheinen der US-Führung die Fähigkeiten der neuen Verbände, zu sehr werden die USA, wenn es ernst wird, doch nur sich selbst vertrauen.

Sollten die USA und Großbritannien vor diesem Hintergrund tatsächlich an einer neuen Uno- Resolution arbeiten, die den „Unwilligen“ den Weg zurück ins Boot frei macht, dann sollte diese Chance ernsthaft geprüft werden. Die USA tun gut daran, sich auf die bewährten Partner zu besinnen. Und diese sollten sich im Interesse eines befriedeten Iraks umgekehrt nicht allzu sehr zieren. Man muss den Krieg im Irak nicht für richtig halten, wenn man dem wichtigsten Freund und Partner jetzt aus der Klemme hilft. Und in eben der stecken die USA.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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