Venezuela
Kommentar: Chavez' Plan

Viele machen den Fehler und halten Chávez für verrückt. Aber zumindest in der Wirtschaftspolitik verfolgt er einen klaren und durchdachten Plan.
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Dass Venezuelas Staatschef Hugo Chávez die lang angekündigte Verstaatlichung des größten Stahlkonzerns just zu Beginn der Woche vollendet, in der auch der EU-Lateinamerika-Gipfel stattfindet... Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Erst sorgt der Narziss von Caracas mit dem Merkel-Hitler-Vergleich für einen politischen Aufreger, und einen Tag später trifft er eine der wichtigsten wirtschaftlichen Entscheidungen in diesem Jahr. Ternium-Sidor, das bisher vom argentinisch-italienischen Konzern Techint kontrollierte Unternehmen, ist nun in der Hand des venezolanischen Staates. Vorausgegangen waren lange Monate des Streits über die Höhe der Entschädigung.

Die Verstaatlichung des Stahlgiganten läutet die wichtigste Etappe der diesjährigen Entprivatisierungsrunde ein. Chávez will nun auch den staatlichen Zugriff auf die Industrie erlangen, die nicht im Erdölsektor aktiv ist. Als Nächstes folgen die Zementkonzerne. Betroffen sind auch und vor allem europäische Interessen mit der schweizerischen Holcim, der französischen Lafarge. Daneben wird auch die mexikanische Cemex das Land verlassen müssen.

Viele machen den Fehler und halten Chávez für verrückt. Aber zumindest in der Wirtschaftspolitik verfolgt er einen klaren und durchdachten Plan, mit dem er sein Land in den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ führen will. Sektor für Sektor wandert in die Hand des Staates. Geld hat Chávez genug dafür. Doch das Vorbild des staatlichen Erdölkonzerns PdVSA lässt nichts Gutes erahnen. Wo immer in Venezuela der Staat die Fäden in den Unternehmen zieht, sank bisher die Produktion und stiegen zugleich Vetternwirtschaft und Korruption.

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