Verantwortung der Wirtschaft
Grenzen einhalten

Wenige Themen lassen die Emotionen in Deutschland so hochkochen wie die Verdienste von Top-Managern. Verantwortungslose Selbstbedienungsmentalität sagt die eine Seite, blanker Neid antwortet die andere.

Unbestreitbar ist, dass die Diskussion über Managergehälter nicht allein aus ökonomischer Sicht geführt werden kann. Unternehmen sind ein Teil der Gesellschaft, ihre Top-Leute gehören zur nationalen Elite. Das Verhalten eines Vorstandsvorsitzenden bekommt Vorbildcharakter – und damit rücken auch dessen Bezüge ins Visier der Öffentlichkeit.

Jüngst sind Zweifel daran aufgekommen, dass Deutschlands führende Manager ihrer Vorbildfunktion immer gerecht geworden sind. In den vergangenen fünf Jahren sind die Überschüsse der Unternehmen aus dem Aktienindex Dax 30 um 42 Prozent gefallen, klarer Ausdruck wirtschaftlicher Probleme. Die Personalberatung Kienbaum weist jedoch nach, dass die Bezüge der Vorstände von Dax-30-Unternehmen zugleich durchschnittlich um 103 Prozent gestiegen sind.

Das Aktienrecht verlangt, dass die Bezüge der Vorstände „in angemessenem Verhältnis zu den Aufgaben“ stehen. Für den Kapitalgeber muss die Investition sich rentieren, das Managementgehalt eingeschlossen. Die Gehälter der Manager dürfen in weniger guten Zeiten nicht steigen; sie sind an allererster Stelle dafür verantwortlich, wenn es im Konzern schlecht läuft. Wenn sich die Vorstände nicht selbst zu dieser Verantwortung bekennen, muss der Aufsichtsrat in diese Verantwortungslücke hineinspringen. Offensichtlich hat dessen Kontrollfunktion in den vergangenen Jahren nicht richtig funktioniert – denn sonst hätte es die Steigerung bei den Vorstandsgehältern nicht gegeben.

Zu den großen Fehlern gehört die Bezahlung von Top-Managern mit Optionen. Dieses Vergütungsmodell hat sich in den zurückliegenden Jahren vollkommen überlebt. Die Bezahlung mit Optionen führte in vielen Fällen lediglich dazu, dass die Vorstände den Börsenkurs ihres Unternehmens mit allen Mitteln kurzfristig nach oben getrieben haben. Langfristige strategische Gesichtspunkte spielten dabei keine Rolle.

Zum Glück haben viele Unternehmen gelernt, dass das Optionsmodell in einer Sackgasse endet. Das gilt auch für die USA: Dort schlägt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte Touche vor, dass der Erfolg eines Unternehmens jetzt an langfristigen Zielen ausgerichtet wird. Kriterien dafür könnten Indikatoren für Kundenzufriedenheit oder Produktqualität sein.

Die Diskussion in den USA kommt nicht von ungefähr: Vor gut zwanzig Jahren verdienten die Vorstände das 42fache des Arbeitnehmer-Durchschnittsgehalts, heute ist es 300-mal so viel. Die Gehälter der Vorstände dürfen sich aber nicht völlig vom Rest der Beschäftigten abkoppeln, die ebenfalls zum Unternehmenserfolg beitragen. Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten führt das zu Demotivation und Passivität in der Belegschaft.

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