Verantwortung der Wirtschaft
Mehr Börsenwert

Wer Mitarbeiter entlässt, steigert häufig den Kurswert und beglückt so seine Aktionäre. Er verliert jedoch gleichzeitig an Achtung in der Gesellschaft. Wie zwei Welten scheinen sich Anleger und der Rest der Welt gegenüberzustehen.

Die einen haben den Teufel und Mammon im Depot, die anderen beanspruchen, Ethik und Moral gepachtet zu haben. Dass Anleger in Wirklichkeit aber auf der einen und auf der anderen Seite stehen, wird dabei ebenso ausgeblendet wie die Frage: Wie bringen wir beide Welten miteinander in Einklang?

Als Skandal brandmarkten Politiker jeder Couleur die Ankündigung der Deutschen Bank, 6 000 Mitarbeiter zu entlassen. „Höchst problematisch“ nannte es Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel und zählte damit zu den eher vorsichtigen Wortführern. Problematisch ist es sicher schon deshalb, weil Konzernchef Josef Ackermann seine restriktive Personalpolitik in einem Atemzug mit dem Reingewinn von 2,5 Milliarden Euro veröffentlichte.

Damit reihte er sich in die unselige Tradition seiner Vorgänger ein. Unvergessen sind die „Peanuts“, mit denen Hilmar Kopper die unbezahlten Rechnungen des Immobilienspekulanten Jürgen Schneider verglich und damit nicht nur jeden Handwerker provozierte.

Doch weiter gehende Anschuldigungen sind verlogen. Weniger deshalb, weil fast alle großen börsennotierten Unternehmen Mitarbeiter entlassen, um erfolgreich ihre Gewinne zu steigern. Die Deutsche Telekom streicht bei ihrer Tochter T-Online 2 200 Stellen und verdiente zuletzt sogar fast doppelt so viel wie der deutsche Bankenprimus. Bei fast allen Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) beruhen die Rekordgewinne mehr auf Entlassungen und leider nur sehr wenig auf zusätzlichen Investitionen und mehr Konsum.

Dieselben Politiker, die nach Ackermanns Firmenbilanz gegen die Deutsche Bank wetterten, brandmarkten übrigens vorher die Dominanz angelsächsischer Banken, beklagten den drohenden Ausverkauf deutscher Konzerne und forderten diese auf, dagegen etwas zu unternehmen. Dabei wird jedoch vergessen, dass vor Übernahmen und einem Ausverkauf – und damit sehr wahrscheinlich noch mehr Entlassungen – am wirksamsten gerade ein höherer Börsenwert schützt. Und dieser ergibt sich leider nicht aus der Zahl der Angestellten, sondern in aller Regel aus höheren Firmengewinnen. Vergessen wird auch nicht, dass Ackermann und die Chefs der übrigen 29 Dax-Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht aus einer Laune heraus entlassen. Sie stehen ihrerseits im Dienste ihrer Aktionäre. Und als Anteilseigner und damit Eigentümer der Unternehmen billigen Aktionäre die Firmenpolitik – und können sie auch ändern.

Sie tun es aber meist nicht, obwohl nicht nur Politiker, sondern auch Anleger mehrheitlich Entlassungen ablehnen. Das zeigen zum Beispiel repräsentative Befragungen wie jene von Trinkaus & Burkhardt in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt. Danach behaupten knapp 80 Prozent der deutschen Anleger, Aktien von Firmen, die Massenentlassungen zur Steigerung ihres Kurswertes vorgenommen haben, nicht kaufen zu wollen.

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