Verantwortung der Wirtschaft
Treue zählt

„Dem Land geht es schlecht, den global tätigen Unternehmen so gut wie nie“, stellt Gerhard Cromme nüchtern fest. Weil Rekordgewinne für die Konzerne und Katastrophenmeldungen vom Arbeitsmarkt nicht zusammenpassen, geraten Unternehmer wie Manager in Verruf.

Deutschlands Konzerne stecken in einer tiefen Vertrauenskrise.Weil Rekordgewinne für die Konzerne und Katastrophenmeldungen vom Arbeitsmarkt nicht zusammenpassen, geraten Unternehmer wie Manager in Verruf. Viele Kollegen Crommes verschließen davor die Augen. Sie ärgern sich über den Vorwurf, „vaterlandslose Gesellen“ zu sein. Solange die Börse boomte und keine Arbeitsplätze bedroht waren, fiel der Wechsel vom konsensorientierten rheinischen Kapitalismus zur angelsächsischen Shareholder-Ideologie leicht.

Statt Börsenkurse zu verfolgen, sorgen sich die Menschen jetzt um ihren Arbeitsplatz. Sie fürchten, dass die Manager in schwierigen Konjunkturzeiten nur noch Renditeziele verfolgen – ohne Rücksicht auf Verluste. Ob Mercedes, Opel, Siemens oder Karstadt – diese Fälle zeigen das hässliche Gesicht des Shareholder-Values. Zumal fast täglich zu beobachten ist, wie sich gut bezahlte Vorstände hinter dem „Druck der Finanzmärkte“ verstecken und Entlassungen, Stellenverlagerung und Lohnverzicht mit dem Diktat der Investoren begründen. Von Visionen oder gar Ausgleich der Interessen keine Spur.

Da überrascht es nicht, dass Familienunternehmen eine Renaissance erleben – vor allem, wenn sie nicht an der Börse notiert sind. Ihnen wird Verantwortung für Mitarbeiter und Gesellschaft zugestanden. Denn nach Untersuchungen haben Eigentümer-Unternehmer ein vorrangiges Ziel: Erhalt und Fortführung ihrer Firma. Angestellte Manager dagegen, so die öffentliche Vermutung seit Mannesmann, verkaufen sich bei erstbester Gelegenheit gleich mit. Doch abseits solcher Behauptungen: Laut Aktiengesetz sind Führungsgremien verpflichtet, den Wert für die Eigentümer zu maximieren. Im Zweifel ist es das Übernahmeangebot an die Aktionäre.

Sind Eigentümer also bessere Unternehmer? Das zu beweisen fällt schwer, weil die Ottos, Mieles oder Merkles neben den unterstellten bürgerschaftlichen Zielen vor allem eines beherzigen: Sie schweigen. Nicht so dagegen Arend Oetker, Chef des Traditionskonzerns aus Bielefeld – natürlich nicht börsennotiert: „Ohne gute Sitten in den Unternehmen kann soziale Marktwirtschaft nicht funktionieren.“ Und was gute Sitten sind, bestimmt der Patriarch. Diese Option haben angestellte Manager nicht. Sie werden von den Kapitalmärkten kontrolliert. Ob diese aber „soziale Verantwortung als Drehzahlbegrenzer“ (Oetker) gegen die „menschliche Gier“ honorieren, das darf bezweifelt werden.

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