Verantwortung der Wirtschaft
Von Kant lernen

Effizienz galt jahrzehntelang als typisch deutsche Tugend im Wirtschaftsleben. Die Deutschen waren zugleich aber immer gerechtigkeitsliebend, und daraus ist inzwischen eine regelrechte Jagd nach Gerechtigkeitslücken geworden. Wie bekommt man beides auf einen Nenner?

Diese Frage kann man einfach zur Seite schieben und „Gerechtigkeit“ aus Gründen der Effizienz zum Unwort erklären. Das hält aber nicht lange vor, weil es nicht dem Menschen entspricht – jedes Kind hat bereits einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Ethische Fragen, etwa zu Entlassungen oder Gehältern, reizen immer wieder zu heftigen Diskussionen.

Aussichtsreicher ist der Versuch, eine moderne Wirtschaftsethik zu finden. Dabei zeigt der Blick in die Geistesgeschichte: Es gibt einen ganz alten deutschen Philosophen, der auch heute die Richtung zeigen kann. Immanuel Kant hat neben seinem berühmten „kategorischen Imperativ“ auch einen weniger bekannten „praktischen Imperativ“ formuliert. Dieser lautet: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“

Diese Formel ist kompliziert, wie es sich für einen berühmten deutschen Philosophen gehört. Auffällig modern ist aber das Vokabular. „Mittel und Zweck“, das klingt nach Wirtschaft.

Der Philosoph war trotz seiner knochentrockenen Theorien ein Realist. Er hat nicht verlangt, dass man andere Menschen nicht für seine Zwecke benutzen darf. Er hat nur gefordert, dass man sie niemals nur als ein Mittel gebraucht. Sondern immer auch als Zweck.

Einfacher gesprochen: Nutze den anderen ruhig aus, aber behandele ihn dennoch stets als Menschen. Reduziere ihn nicht auf seine Funktion. Und gerade dann hast du das Recht, viel von ihm zu verlangen. Dies ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine ganz praktische Erkenntnis: Wer sich ernst genommen fühlt, arbeitet besser.

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