Verbände
Zu kurz gesprungen

Es fiel Jürgen Thumann und Dieter Hundt gestern sichtlich schwer, die geplante engere Zusammenarbeit ihrer beiden Verbände als Erfolg zu verkaufen. Wenn die Spitzenorganisationen der Wirtschaft tatsächlich ihre Schlagkraft erhöhen wollen, kann die Gründung eines gemeinsamen Präsidiums von BDI und BDA tatsächlich nicht als großer Fortschritt gewertet werden.

Und das Ziel, aus BDI, BDA, DIHK und Handwerk einen großen und schlagkräftigen Spitzenverband zu formen, scheint niemand mehr ernsthaft zu verfolgen.Was wird das neue, gemeinsame Präsidium bringen? Schon innerhalb des BDI tun sich unter den Mitgliedsverbänden bisweilen unüberwindbare Gräben auf. Und auch die BDA deckt eine enorme Bandbreite von Interessen ab. Ob da ein zusätzliches Gremium den Ausgleich zu schaffen vermag, ist mehr als fraglich.

Der DIHK hat das Problem erkannt. Er verspricht sich von einem gemeinsamen Präsidium offenbar keine höhere Schlagkraft, sondern lediglich wachsenden bürokratischen Aufwand. Daher bleibt er der Veranstaltung fern. Dass eine Fusion des DIHK mit den anderen Spitzenverbänden ohnehin an den hohen gesetzlichen Hürden scheitern würde, steht auf einem anderen Blatt. Die Verbändelandschaft ist in ihrer jetzigen Struktur ein Relikt der alten Deutschland AG. Immer mehr Unternehmen erkennen das und kehren den Organisationen den Rücken. Mit der Schaffung des neuen Präsidiums von BDI und BDA wird man diesem Trend nicht entgegenwirken können. Statt sich den großen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen zu stellen, verheddern sich die Verbände in den Details des Tagesgeschäfts und beziehen nicht selten widersprüchliche Positionen. Daran wird das neue Gremium nichts ändern. Eine echte Reform der Strukturen wird es ebenfalls nicht ersetzen können.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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