Vereinigte Staaten
Kommentar: Reiz der Zweigstelle

Es ist die größte Bankenfusion seit fünf Jahren. Akteure sind nicht die oft als Könige der Wall Street angesehenen Investmentbanken, sondern zwei große Regionalbanken aus dem Süden und Nordosten der USA.

Es ist die größte Bankenfusion seit fünf Jahren. Sie findet nicht im mit Banken und Zweigstellen überfüllten Deutschland statt, sondern in Amerika. Akteure sind nicht die oft als Könige der Wall Street angesehenen Investmentbanken, sondern zwei große Regionalbanken aus dem Süden und Nordosten der USA. Ihnen geht es nicht um Megadeals und Börsengänge, sondern um Bankeinlagen und Kundenkredite. Der Zusammenschluss von Bank of Amerika und Fleet Boston zeigt in vielerlei Hinsicht den Umbruch und die Absonderlichkeiten im Bankgewerbe.

Kaum drei Jahre ist es her, da kannten die meisten Geschäftsbanken nur ein Ziel: die Wall Street mit ihren märchenhaften Gewinnen aus Börsengängen, Fusionen und Übernahmen. Das Märchen ist bekanntermaßen ohne Happy End zu Ende gegangen. Geplatzt sind nicht nur die Träume der Anleger, sondern auch die vieler Banker.

Die Rolle rückwärts zum schnöden Geschäft am Bankschalter ist das Ergebnis des bösen Erwachens. An der Wall Street werden Tausende Investmentbanker in die Wüste geschickt, auf dem Land und in den Städten entstehen fast täglich neue Bankfilialen. Nichts zeigt deutlicher, wie sich derzeit die Bankenlandschaft verändert

.

Der neue Trend hat viel mit der Verfassung der US-Wirtschaft zu tun. Historisch niedrige Zinsen machen das Einlagengeschäft der Banken attraktiv. Wenn dann noch ein meist auf Pump finanzierter Konsumrausch sowie ein Immobilienboom dazukommen, ist das für die Banken eine überaus lukrative Kombination. Die Risiken liegen auf der Hand: Wirtschaftlich schlechte Zeiten können die Zahlungsmoral sinken lassen und die Kreditausfälle in die Höhe treiben. Doch daran werden die Bankmanager im Moment nicht denken. Sie reden viel lieber vom Aufschwung.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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