Versicherer
Keine Allianz fürs Leben

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Aktionäre sind dumm und frech. Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann auch noch Dividende haben wollen.“ Angesichts der Chronik des Misserfolgs der Allianz-Tochter Dresdner Bank kommt das Gefühl auf, dass Carl Fürstenberg als führender Bankier Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts auch heute noch recht hat. Die Allianz-Aktionäre sollten das nicht länger mit sich machen lassen. Es mag hart klingen, aber die Tage der Dresdner Bank sind gezählt.

In der jetzigen Form besitzt das Institut keine Überlebenschance. Offenbar ist das Allianz-Chef Michael Diekmann in diesen Wochen klargeworden. Erstmals betete er nicht die Litanei herunter: Das Geldhaus sei integraler Bestandteil des Konzerns und werde dies auch bleiben. Gut so. Denn das Sagen im Konzern haben nicht die Vorstände, sondern die Aktionäre, also die Eigentümer. Und die können den jahrelangen Niedergang nicht mehr hinnehmen. Seit dem Platzen der Fusion von Deutscher Bank und Dresdner Bank im Jahr 2000 reihen sich Pleiten, Pech und Pannen aneinander. Umstrukturierung folgt auf Umstrukturierung. Die Bank kommt nicht zur Ruhe. Und vom Erfolgsmodell des integrierten Finanzdienstleisters, der Bank- und Assekuranzprodukte in allen Filialen vertreibt, ist auch nicht so viel zu spüren.

Was ist zu tun? Die mündigen Aktionäre müssen den Druck erhöhen, damit tatsächlich Klarschiff gemacht wird und nicht letztlich doch alles beim Alten bleibt. Dabei bieten sich drei Strategien an:

Erstens: Allianz und Dresdner Bank trennen sich von der Investmentbank Dresdner Kleinwort. Das ist zum Vorteil der Investmentbanker, die endlich ihr eigenes Risikomanagement machen und die Verwaltung auf ihre eigenen Bedürfnisse abschmelzen können. Damit bekommen sie die Chance, sich zu einer kleinen, aber feinen Investmentbank zu entwickeln, mit einem Schwerpunkt in Deutschland und vielleicht noch Europa. Ein Börsengang wäre der Abschlusspunkt. Aber: Sicher müsste die Allianz einmalig Bewertungsverluste hinnehmen.

Zweitens: Die Allianz trennt sich von Dresdner Bank und Dresdner Kleinwort. Zugegeben, das ist ein großer Satz, locker ausgesprochen. Doch manchmal bringt ein klarer Schnitt schlicht mehr. Der Versicherer konzentriert sich wieder auf sein Kerngeschäft, von dem er viel versteht und wo er zweifellos zu den Top-Adressen der Welt zählt. Und die Dresdner Bank sucht nach einem neuen Partner, geht eine Fusion mit einer anderen Bank ein. Was spricht gegen ein Zusammengehen mit der Landesbank Baden-Württemberg oder der Bayerischen Landesbank, um zwei Beispiele zu nennen?

Drittens: Die Allianz steckt noch einmal viele Milliarden in den Ausbau der Dresdner Bank und steigt in den Bieterwettbewerb um die Postbank ein. Im Erfolgsfall bekäme das Institut mit dem inzwischen verwaschenen grünen Band der Sympathie eine Größe, die enorme Kosteneinsparungen versprechen würde. Auch bei den Kundenzahlen würde diese Bank eine ganz neue Dimension und damit auch Marktstärke erreichen.

Welchen der Wege die Allianz auch einschlägt: Für den Aktionär ist jeder von ihnen besser als die jetzige Situation. Der Druck auf den Vorstand darf nicht erlahmen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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