Versorger
Mittelstand für Strom und Gas

In der Energiewirtschaft macht ein Schlagwort die Runde, das sperriger kaum sein könnte: Die „Rekommunalisierung“ der Strom- und Gasversorgung. Hinter dem Wortungetüm versteckt sich eine Entwicklung, die dem deutschen Energiemarkt frischen Schwung verleihen und die Macht der Platzhirsche Eon und RWE spürbar beschneiden könnte.

DÜSSELDORF. Bundesweit prüfen Städte und Gemeinden, ob sie die Strom- und Gasnetze, die sie über Konzessionen den großen Konzernen jahrzehntelang überlassen haben, zurücknehmen und eigene Versorger gründen sollen. Stadtwerke verbünden sich, fusionieren oder kooperieren wenigstens in Teilbereichen wie dem Netzbetrieb. Und große Kommunalversorger aus Hannover, Frankfurt, Nürnberg und Freiburg planen ein riesiges Netzwerk und wollen dafür Eons Stadtwerke-Holding Thüga mit ihren über hundert Minderheitsbeteiligungen übernehmen; Eon wiederum passt diese Holding nicht mehr ins Konzept.

Hinter der Bewegung steckt zum einen ein gestiegenes Selbstbewusstsein. Nach der Liberalisierung des Energiemarktes zur Jahrtausendwende galten Kommunalversorger als Auslaufmodell. Massenhaft verkauften Städte ihre Betriebe an die großen Konzerne. Doch jetzt erkennen Bürgermeister und Stadträte, dass das Geschäft vor Ort lukrativ ist: Viele Kunden bleiben nach wie vor ihrem traditionellen Stadtwerk treu.

Zum anderen ist das Image der großen Versorger durch die stetig steigenden Preise und die öffentliche Kritik an ihrer Marktmacht schlecht. Kommunalpolitiker können mit einer Trennung von den ungeliebten Branchenriesen in der Bevölkerung punkten.

Wie sinnvoll ist das? Im Energiegeschäft mit hohem Kapitalbedarf für Brennstoffe und Investitionen in Netze und Kraftwerke haben Kleinstversorger auf sich allein gestellt sicher keine Zukunft. Wenn sich aber mehrere Gemeinden – wie derzeit acht Kommunen im Münsterland – zusammenschließen und noch dazu einen strategischen Partner ins Boot holen, ist schnell die kritische Masse erreicht. Und große Netzwerke wie das Bündnis Trianel von über 40 Versorgern oder die neue Gruppe um die Thüga können selbst hohe Investitionen in Kraftwerke, Gasspeicher oder Offshore-Windparks stemmen.

Für den Wettbewerb ist solch ein energiewirtschaftlicher Mittelstand auf jeden Fall sinnvoll. Er kann helfen, die Marktmacht der großen Versorger, die bislang von der Strom- und Gasproduktion über den Transport bis zum Vertrieb an die Kunden alles beherrschen, aufzubrechen. Erfolgreich können die kommunalen Spieler freilich nur sein, wenn sie marktwirtschaftlich gemanagt werden.

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