Verwantwortung der Wirtschaft
Mehr als PR

Einmal im Jahr muss der deutsche Vorstandschef den Männern und Frauen ins Auge sehen, deren Unternehmen er führt. Und das ist meist keine wahre Freude. Die Hauptversammlung ist das Ventil für den Aktionärszorn. An diesem Tag wird dem Chef vor Augen geführt, wessen Interessen er zu berücksichtigen hat.

Da sind die Manager der großen Fonds, die mehr Wachstum verlangen, die Belegschaftsaktionäre, die sichere Arbeitsplätze wollen, die Umweltschützer, die die Reduzierung von Abgasen anmahnen, und die Sprecher der Kleinaktionäre, die höhere Aktienkurse fordern.

Wie soll der Vorstandschef den verschiedenen Ansprüchen gerecht werden, wie seine soziale Verantwortung wahrnehmen? Immer mehr Vorschriften schränken seine Handlungsfreiheit ein, immer mehr persönliche Verantwortung trägt er für alles, was im Unternehmen vorgeht – von sauberen Bilanzen bis zu sauberen Abwässern. Die Flut neuer Regeln nach den Firmenskandalen der letzten Jahre beschwört die Gefahr herauf, dass sich Manager nur noch absichern und keine Risiken mehr eingehen.

Zugleich geben sie sich größte Mühe, soziale Verantwortung zu demonstrieren. Viele Unternehmen begreifen das als PR-Aufgabe. Sie drucken bunte Nachhaltigkeitsberichte, in denen sie Erfolge beim Recycling von Büropapier und beim Einsatz von Erdgasautos im Kundendienst feiern. Sie sponsern Sportvereine, Opern und Schauspielhäuser, spenden für gute Zwecke in aller Welt. Das bringt positive Presse und eröffnet zudem die Gelegenheit, Firmenlogos und Produkte in einem positiven Umfeld zu zeigen.

Doch das ist ein Missverständnis. AG-Vorstände sollten es den Eigentümern überlassen, welchen wohltätigen Zwecken sie Geld spenden wollen. Soziale Verantwortung ist kein neues PR-Thema, kein Schaufenster, in dem man positive Aktivitäten ausstellt, die mit der eigentlichen Geschäftstätigkeit nichts zu tun haben. Soziale Verantwortung ist nur als gelebte Grundhaltung glaubwürdig.

Diese setzt voraus, dass sich ein Unternehmen als Bestandteil der Gesellschaft versteht und dort selbstbewusst auftritt. Es muss dazu stehen, dass es existiert, um Gewinne zu erwirtschaften. Das klingt trivial, aber viele „Corporate Social Responsibility“-Aktivitäten erwecken den Eindruck, dass sie gerade das kaschieren wollen.

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