Viele Messegäste stöhnen über die Stadt
Hannover im März – ein Muss und Graus

Die Sonne scheint, blauer Himmel. Sollten sich in der IT-Branche doch noch Frühlingsgefühle einstellen? In den vergangenen Tagen fiel das schwer. Tristesse machte sich auf dem Weg zum Messegelände breit. Trüb und grau hing der wolkenschwere Himmel über Hannover, schüttete seine typische Cebit-Mischung aus: Schnee, Regen, Graupel und manchmal alles zugleich.

HB HANNOVER. Hannover im Frühjahrsmonat März - für alle, die in der IT-Branche mitmischen, ist das ein Muss und ein Graus zugleich. "Hannover, ja also... Ich komme halt aus München, wissen sie", formuliert es eine junge Dame am Stand eines Softwareherstellers diplomatisch. Viele äußern sich ähnlich. Die niedersächsische Landesmetropole hat in den Augen der meisten Messegäste nicht sonderlich viel zu bieten. Sicher, es gibt den Maschsee, eine Oase mitten in der Stadt. Aber ansonsten ist Hannover eine jener typischen Städte, die im zweiten Weltkrieg platt gebombt und dann in Hektik wieder aufgebaut wurden. Das zeigt sich schon auf dem Weg zum Osteingang der Messe. Vorbei geht es an architektonisch anspruchslosen Häusern und einer auf dem Schachbrett geplanten Trabantenstadt. "Nicht gerade spannend", entfährt es einem IT-Manager.

Dabei geben sich die rund 520 000 Bewohner der Stadt mächtig Mühe, es den Gästen so angenehm wie möglich zu machen. Überall in der Stadt wird gefeiert, von der "Hostessen-Party" bis zur "Vollmond-Party". Selbst ausgefallene Events haben Stadt und Veranstalter nach Hannover geholt. Das "Raveline Magazin" verleiht heute Abend eigens für die Cebit-Besucher seinen "Dance Music Award" in Hannover, einen angesehenen Preis der Popszene. "Hannover freut sich auf die Cebit" titelt die örtliche Zeitung "Neue Presse" freudig zum Auftakt. Eine kleine Umfrage in der Bevölkerung soll das belegen, bestätigt aber mit Aussagen wie "weil Leben in die Stadt kommt" am Ende nur den Eindruck, außerhalb der Cebit sei hier nicht viel los.

Am Ende liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte. Hannover ist keine außergewöhnliche "Location" für eine der weltgrößten Messen. Doch ist die Landesmetropole besser als ihr Ruf. Viele Urteile der Messegäste fallen in Unkenntnis. Das wissen diese auch. "Ich sehe die Stadt doch nur im Dunkeln, tagsüber hocke ich hier in der Halle", sagt ein Mitarbeiter eines mittelständischen Softwarehauses.

Den Rest besorgt das triste Wetter, für das Hannover nichts kann. "So grau, wie immer beschrieben, ist die Stadt gar nicht. Glauben Sie mir, hier scheint auch mal die Sonne", wirbt eine Messe-Mitarbeiterin für ihre Geburtstadt. Wirklich? Gerade kündigt der Sprecher im Hörfunk nasskaltes Wetter an. Adé Frühlingsgefühle.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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