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Virtuell überfordert, real im Abseits

Die digitale Spaltung der Gesellschaft wurde lange beschworen. Heute ist sie Wirklichkeit, und das ist längst nicht nur ein soziales Problem.
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Ein neuer Schnitt geht durch die Gesellschaft: Wer mit moderner Informationstechnologie nicht zurechtkommt, rückt ins Abseits. Das hat nicht nur für die Betroffenen unangenehme Folgen. Ganz Deutschland bekommt ein Problem.

Wer wissen will, wohin die Reise geht, der sollte sich die Geschichte von der Schaltergebühr aus dem vergangenen Jahr ins Gedächtnis rufen. Die Deutsche Bahn war im Sommer drauf und dran, einen Zuschlag von 2,50 Euro für all jene Kunden einzuführen, die sich persönlich bedienen lassen wollten. Ziel der Bahnstrategen war es, den Fahrkartenkauf über Automaten und Internet anzukurbeln. Das ist für das Staatsunternehmen deutlich billiger. Als die Sache bekanntwurde, ging aber ein Aufschrei durchs Land, und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn beerdigte die Pauschale stillschweigend.

Unternehmen, die nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen wie die Bahn, sind da weit weniger zimperlich: Die Fluggesellschaft Ryanair hat dieser Tage angekündigt, ihre Schalter zum Jahresende hin ganz zu schließen. Einchecken ist dann nur noch online möglich, ihr Gepäck müssen die Passagiere am Automaten aufgeben.

Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren in allen Lebensbereichen noch verstärken: Menschen, die das Internet zu nutzen verstehen, werden von vielen neuen Möglichkeiten profitieren, sich zu informieren und Geld zu sparen. Umgekehrt werden all jene immer mehr Schwierigkeiten bekommen, die keinen Zugang haben oder sich bewusst davon abkoppeln. "Digitale Spaltung" nennen Fachleute diese Entwicklung. Seit Jahren wird sie heraufbeschworen, doch nun wird sie tatsächlich zum Problem für die gesamte Gesellschaft.

Auf der Cebit in Hannover wird sich die IT-Branche in den nächsten Tagen wieder selbst feiern. Die IT-Konzerne aus aller Welt werden publikumswirksam ihre schnellsten Rechner, die aufwendigste Software und die schicksten Handys präsentierten. In der wohl inszenierten Show geht aber einmal mehr unter, dass ein beträchtlicher Teil der Menschen in Deutschland keine Ahnung von moderner IT und den damit verbundenen Möglichkeiten hat.

Diese Menschen lassen sich nur zum Teil nach sozialen oder regionalen Merkmalen einordnen. Zwar bestätigen sich manche Klischees: Unter den "Verweigerern" sind besonders viele Ältere, 80 Prozent aller Senioren haben keinen Computer mit Internetanschluss zu Hause, schätzt der IT-Branchenverband Bitkom. Auch sozial schwache und weniger gebildete Frauen auf dem Land bleiben tendenziell außen vor. Doch es gibt auch genügend hochrangige Manager und Politiker, die unumwunden zugeben, dass ihnen die Sekretärin die E-Mails ausdruckt und dann vorlegt. Etwa 30 Prozent aller erwachsenen Bundesbürger geben in Umfragen an, dass sie offline leben.

Gut bezahlte Manager mit eigener Assistentin werden wohl auch in den nächsten Jahren problemlos die Errungenschaften moderner IT ignorieren können. Sie haben ihre Mitarbeiter, die ihnen zur Seite, stehen und Fahrer, die für sie das Navigationsgerät bedienen. Doch für die meisten anderen Menschen, an denen die Entwicklung vorbeirauscht, wird das Leben zunehmend schwieriger.

Ein Beispiel: Es ist geradezu paradox, dass so viele Rentner aufs Internet verzichten. Denn diese Menschen sollten im Grunde das allergrößte Interesse daran haben. Schließlich sind viele Ältere nicht mehr so gut zu Fuß und könnten zum Beispiel per E-Mail oder Videokonferenzen bequem vom Sofa aus mit ihren Freunden und Verwandten in Kontakt bleiben. Auch den mühsamen Gang zur Bank oder auf die Post kann der Computer ersetzen, von zeitraubenden Besuchen auf Behörden oder bei der Krankenkasse ganz zu schweigen: Längst lassen sich viele Formulare im Netz ausfüllen und abschicken. Schon seit Jahren sind reine Online-Konten billiger als die Angebote für Kunden, die ihre Überweisungen noch persönlich abgeben oder sich die Kontoauszüge zuschicken lassen. Es geht also richtig ins Geld, sich dem Internet zu verweigern.

Wer das tut, verpasst auch viele Möglichkeiten, das Leben angenehmer zu machen. Ein Beispiel aus der Freizeit mag dies illustrieren: Vor 20 Jahren noch haben Wintersportler bei der Deutschen Post angerufen, wenn sie wissen wollten, ob Schnee in den Bergen liegt. Für ein paar Pfennige lief dann ein Band ab, auf dem eine freundliche Dame die Schneehöhen herunterrasselte. Wer nicht zum Telefon greifen wollte, der nahm sich die Freitagsausgaben der Zeitungen her.

Wenn Skifahrer heute einen Ausflug in die Alpen planen, dann nutzen sie eine der vielen Webcams und können selbst nachschauen, ob die Hänge grün oder weiß sind. Dazu gibt es noch spezialisierte Portale, die sich um nichts anderes kümmern als um Wintersport. Doch damit nicht genug. Die alten Liftkarten aus Papier sind längst Plastiktickets mit Funkchips gewichen. So lassen sich die Drehkreuze an den Stationen kontaktlos passieren. Am Ende des Tages kann jeder Sportler sogar noch im Internet nachschauen, wie viele Höhenmeter er zurückgelegt hat. Das System speichert dazu die Fahrten.

Alles nur Spielerei? In der Freizeit vielleicht, doch wer nicht mit moderner IT umgehen kann, der wird künftig auch in der Arbeitswelt kaum mithalten können. Jede Maschine in der Werkhalle wird heute per Software gesteuert, von den komplexen Apparaten in der Medizintechnik gar nicht zu reden. Selbst die Dienstreise ist ohne IT nicht mehr denkbar. Viele Unternehmen verpflichten ihre Mitarbeiter schon längst, Fahrkarten und Hotels im Internet zu buchen. Wer will, kann sich die Bordkarte inzwischen sogar auf das Handy laden. Ein gründliches Verständnis der gängigsten Programme ist da unabdingbar, zumal die Abrechnung in vielen Betrieben über die nicht gerade einfachen SAP-Systeme erfolgt.

Erstaunlich bei der Nutzung von Informationstechnologie ist, dass viele Jugendliche sich kaum von Erwachsenen abheben. Zwar verbringen Schüler und Lehrlinge mehr Zeit mit ihrem Rechner, der Spielekonsole oder ihrem Smartphone als alle anderen Altersgruppen. Wer heute aufs Gymnasium geht, der hat eine Welt ohne Internet nie kennengelernt. Überraschend hingegen ist, dass der Nachwuchs deshalb noch lange nicht fit im Umgang mit IT ist. Viele Chefs beklagen, dass die Jugend zwar allerhand Computerspiele beherrsche, doch wenn es um Programmiersprachen gehe oder nur ein grundlegendes Verständnis dafür, wie Rechner und Software überhaupt funktionieren, dann seien viele Jungen und Mädchen heillos überfordert.

Viele Schulabgänger kennen sich nicht einmal mit den einfachsten Funktionen der Textverarbeitungsprogramme aus. Offenbar ist den Betroffenen nicht klar, dass IT-Kenntnisse heute eine wichtige Voraussetzung sind, um einen Job zu ergattern. Wer mit Word oder Excel nichts anfangen kann, braucht in den meisten Fällen gar nicht erst zum Bewerbungsgespräch anzutreten.

Hier für Abhilfe zu sorgen hat sich unter anderem Microsoft vorgenommen, der größte Softwarehersteller der Welt. Der US-Konzern versucht im Internet, Auszubildenden auf spielerische Art und Weise das Einmaleins der IT nahezubringen, wie sie heute im Büro oder in der Werkstatt benötigt wird. Microsoft hat natürlich ein geschäftliches Interesse, die Jugend mit seinen Programmen vertraut zu machen und gibt dafür auch viel Geld in der Werbung aus. Die Softwarefirma sieht das als Teil ihres gesellschaftlichen Engagements. Doch auch allen anderen High-Tech-Unternehmen muss daran gelegen sein, das Wissen um moderne IT zu erweitern. Es geht bei der digitalen Spaltung um mehr als ein soziales Problem: Das Wachstum der Branche geht zurück, es wird immer schwieriger, neue Kunden zu gewinnen. Die Anbieter müssen sich verstärkt um die bemühen, die bislang abseits stehen. In der Initiative D21 haben sich schon vor zehn Jahren große Konzerne mit öffentlichen Einrichtungen und der Politik zusammengeschlossen, um IT in Deutschland weiterzuverbreiten. Der Verein organisiert Fortbildungen für Lehrer, bietet Kurse für Ältere an und erhebt Daten über die Internetnutzung hierzulande.

D21 ist enorm wichtig, denn die Gesellschaft insgesamt profitiert von Menschen, die moderne IT beherrschen. In der öffentlichen Verwaltung könnten Milliarden eingespart werden, wenn die Deutschen mehr Angebote im Internet nutzten. Viele Dinge ließen sich online erledigen, doch weil ein beträchtlicher Teil der Bürger das Netz gar nicht nutzt und nicht einmal einen Computer besitzt, müssen die Dienstleistungen zusätzlich in vollem Umfang auf dem Amt angeboten werden, zu deutlich höheren Kosten.

Aufstrebende Staaten wie Singapur oder Südkorea haben den Wert fortschrittlicher IT erkannt und setzen alles daran, ihre Bevölkerung weltweit zu Vorreitern auf diesem Gebiet zu machen. Schnelle Internetverbindungen, modernste Handynetze und ausreichend mit neuen Computern ausgestattete Schulen gehören dort zum guten Ton. So ist es kein Wunder, dass in Südkorea Handy-TV schon seit Jahren rege genutzt wird, während die Experten in Deutschland bis heute über Standards debattieren.

Was sich wie eine zu vernachlässigende Marotte von abgedrehten Asiaten anhört, hat durchaus einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund: Mit Samsung hat in den letzten Jahren ein koreanisches Unternehmen den Handymarkt aufgemischt. Der Konzern ist inzwischen hinter Nokia weltweit die Nummer zwei. Zu Beginn des neuen Jahrtausends haben die Asiaten auf diesem Feld noch keine Rolle gespielt. Mobiltelefone eines deutschen Herstellers gibt es hingegen schon seit fast drei Jahren nicht mehr.

Eine gewisse Verbindung zwischen der Begeisterung für eine Technik in einem Land und dessen Erfolg auf diesem Gebiet ist nicht zu leugnen. So ist es bestimmt kein Zufall, dass die besten Autos der Mittel- und Oberklasse aus Deutschland kommen. Schließlich ist kaum ein anderes Land so autobegeistert, in keiner anderen Industrienation hängt das Prestige eines jeden Einzelnen so stark am Wagen wie hierzulande. Viele Entwicklungen in IT und Unterhaltungselektronik hingegen werden in der Bundesrepublik nur belächelt. Die Folge: Das Geschäft machen die anderen.

So ist es kein Wunder, dass die meisten Neuerungen in IT und Unterhaltungselektronik entweder aus Fernost oder den USA kommen. Nur ein deutscher Konzern spielt heute in der Champions-League der IT mit: der Softwarehersteller SAP aus Walldorf. Alle anderen deutschen IT-Anbieter sind bestenfalls zweite Liga oder beschränken sich auf Nischen, die kaum jemand wahrnimmt.

Schlimmer noch: Deutschland zieht sich in diesen Tagen sogar noch weiter aus dem Feld der IT zurück. Mit Qimonda ist einer der größten europäischen Chiphersteller gerade pleitegegangen, und auch die Muttergesellschaft Infineon kämpft mit wirtschaftlichen Problemen. So droht auch noch die Halbleiterbranche bis zur Unkenntlichkeit zu schrumpfen. In Ländern wie Korea oder Taiwan versuchen die Regierungen gerade mit aller Macht, die Chipindustrie zu retten. Deutschland diskutiert - typisch - vor allem über die Autohersteller.

Das ist kein Plädoyer dafür, die Verantwortung für digitales Analphabetentum ins Ungefähre zu verschieben. Sicher, in erster Linie ist jeder Einzelne gefordert. Das fängt schon in jungen Jahren an: Eltern müssen ihren Kindern den verantwortungsbewussten Umgang mit Computern beibringen. Rechner als Teufelszeug zu verbannen ist ein Fehler. Sie nur als Spielekonsole zu nutzen ebenso. Beides führt schnell ins soziale Abseits.

Neun von zehn Kindern zwischen fünf und 15 Jahren nutzen PCs heute schon. Ein Drittel der Kids besitzt sogar ein eigenes Gerät. Wie man das nutzen kann, zeigt "Antolin", ein Portal im Internet, auf dem Kinder von der ersten Klasse an selbstständig Fragen zu Büchern beantworten können. Sie sammeln dabei Punkte und können ihre Leistungen mit denen von Klassenkameraden vergleichen. Sogar E-Mails an die Lehrer sind möglich - vorausgesetzt, die sind online unterwegs. Wer da nicht mitmachen darf oder kann, wird in seiner Klasse schnell an den Rand gedrängt.

Genauso falsch wäre es aber von Eltern, Kinder einfach vor den Bildschirm zu setzen und sie alleine in die Weiten des Internets oder der Computerspiele zu entlassen. Nur unter Anleitung können die Kleinen die Rechner richtig nutzen, zum Beispiel um Stoff aus der Schule spielerisch zu vertiefen. Der richtige Umgang mit IT in jungen Jahren hat viele Vorteile: Die Kinder entwickeln nicht die Berührungsängste, unter denen vor allem ältere Menschen heute leiden. Und übers Internet lässt sich heute Wissen so einfach erschließen wie nie zuvor.

Dass viele Menschen Angst vor Computern und hochgezüchteten Handys haben, liegt allerdings teilweise an der Technik selbst. Wer heute einen Computer nutzt, sich seine E-Mails aufs Mobiltelefon schicken lässt, eigentlich ständig und überall online ist, der wird zunehmend von der Technik mit Beschlag belegt: Ständig gibt es Updates für die Betriebssysteme, regelmäßig kommen neue Versionen der einzelnen Programme heraus, und ohne Sicherheitssoftware geht sowieso nichts mehr.

Wer dann noch Pech hat und sich Würmer, Trojaner oder Viren einfängt, der hat ohnehin ein Problem. Um das zu vermeiden, ist es unumgänglich, sich regelmäßig mit IT-Sicherheit zu beschäftigen. Wer seine Daten nicht wenigstens ab und zu als sogenanntes "Back-up" sichert, der läuft Gefahr, eines Tages ohne dazustehen. Dann sind sie weg, die schönen Bilder aus dem Urlaub oder die wichtigen Unterlagen für die Steuererklärung.

Noch immer ist die IT nicht so einfach zu bedienen, wie sie eigentlich sein müsste. Der arrogante Spruch, dass das Problem immer vor dem Bildschirm sitzt, ist legendär. Nur: Diese Haltung der Insider hilft niemandem weiter. Alle müssen ein Interesse daran haben, dass IT so unkompliziert zu benutzen ist wie ein Herd oder Bügeleisen. Erste Ansätze gibt es. Die neuen Netbooks zum Beispiel. Mit diesen günstigen, handlichen Taschencomputern ist es kein Problem, zehn Minuten nach dem Auspacken bereits im Netz zu surfen. Auch die meisten anderen Funktionen sind schnell zu verstehen. Weil diese Mini-Notebooks kaum Platz brauchen, sind sie selbst für kleine Wohnungen geeignet. Noch etwas hilft: IT wird immer billiger, und das betrifft nicht nur die Hardware. Die Telefonkonzerne und Kabelnetzbetreiber liefern sich einen lebhaften Preiswettbewerb.

Telefon und Internetanschluss kosten heute zusammen nicht mehr als früher alleine die Anschlussgebühr. Die Leistung ist aber wesentlich besser geworden, die sogenannten Flatrates sind inzwischen Standard. Damit können die Kunden so viel surfen oder telefonieren, wie sie wollen. Und Software gibt?s inzwischen im Netz ohnehin massenhaft kostenlos. Niemand muss für Textverarbeitung heute auch nur einen Cent ausgeben. Wer genügend Vertrauen in Google & Co hat, kann dort sogar seine Dokumente speichern und so von überall auf der Welt darauf zugreifen.

Selbstverständlich wollen nicht alle Menschen immer und überall erreichbar sein, und viele schätzen das persönliche Gespräch und die Beratung. Das wird auch immer so bleiben. Doch die Erfahrung aus dem beruflichen Alltag zeigt: Es wird zunehmend erwartet, E-Mails innerhalb weniger Stunden zu beantworten. Wer nicht mitmacht, wird von seinen Kollegen womöglich gar nicht mehr ernst genommen. Es wäre unredlich, das zu leugnen. Jeder Einzelne ist deshalb gefordert, sich mit IT zu beschäftigen, und das möglichst schnell. Denn die Entwicklung geht weiter, und das Tempo erhöht sich.

Die Bundesregierung geht den richtigen Weg, indem sie jedem Haushalt hierzulande bis 2010 einen Breitbandanschluss verspricht. Mit Hilfe des Konjunkturpakets II sollen nun auch endlich ländliche Gebiete in den Genuss einer schnellen Internetverbindung kommen. Das hilft nicht nur Unternehmen, sondern ist auch für Privatleute ein Anreiz, online zu gehen. Eine wichtige Weichenstellung steht zudem mit der neuen De-Mail bevor. Damit soll es möglich werden, Dokumente sicher und rechtsgültig elektronisch zu versenden. Der Bund verspricht sich davon nicht nur eine größere Datensicherheit, De-Mail soll Bürgern, Wirtschaft und Verwaltung jährlich Kosten in Milliardenhöhe für Porto und Bearbeitung sparen.

Der Staat könnte allerdings noch mehr tun. Vor allem den Lehrern müsste klargemacht werden, dass sie eine Vorbildfunktion haben. Pädagogen, die vor ihrer Klasse technische Neuerungen ablehnen oder nur über Internet reden, wenn es um das verbotene Kopieren von Texten geht, helfen den Kindern nicht: Denn nur die werden künftig Erfolg haben, die moderne Techniken verantwortungsbewusst anwenden können.

Eins ist völlig klar: Die einfachen Jobs am Band wird es hierzulande nach der Krise noch viel seltener geben als heute schon. Deshalb wäre es nur konsequent, neue Anwendungen künftig noch stärker als bisher in den Unterricht zu integrieren, etwa internetbasierte Lernmittel. Informatik zumindest für eine begrenzte Zeit und richtige Internetrecherche sind weitere Möglichkeiten, junge Menschen aufs Berufsleben vorzubereiten. Auch an anderer Stelle sind öffentliche Stellen in der Pflicht: Wenn es darum geht, die "Offliner" ans Netz zu bringen, können Stadtverwaltungen, aber auch Volkshochschulen wertvolle Hilfe leisten, indem sie Kurse organisieren sowie Räume und Geräte zur Verfügung stellen.

Doch auch die Industrie ist gefordert, um gegen die digitale Spaltung anzugehen. Die Computerhersteller müssen künftig noch stärker als bisher einfach zu bedienende und günstige Geräte auf den Markt bringen. Der Schlüssel dazu liegt nicht nur in preiswerter Hardware, sondern auch in frei erhältlichen Programmen, der sogenannten Open-Source-Software.

Auch Firmen kommen nicht darum herum, sich den neuen Techniken zu öffnen. Eine Jugend, die in ihrer Freizeit enge Bande über soziale Netze im Internet knüpft, will dies am Arbeitsplatz nicht als Delikt behandelt sehen. Die Betriebe sollten das eher für neue Formen der Zusammenarbeit nutzen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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