Visa-Affäre
Kommentar: Ein Star zeigt Schwächen

Problembewusst, nachdenklich, bereit, Fehler einzugestehen, aber nicht zerknirscht - so ist Bundesaußenminister Joschka Fischer vor dem Visa-Untersuchungsausschuss des Bundestages aufgetreten. Inhaltlich lagen seine Ausführungen auf der bekannten Linie: Ja, er habe sich zu spät um die Visapraxis gekümmert, aber ihm sei es wie seinen Vorgängern Kinkel und Genscher darum gegangen, durch Reisefreiheit den Wandel in Osteuropa zu begünstigen, eine Skandalisierung sei deshalb fehl am Platz.

Zu einer Sternstunde für Fischer wurde der vom TV übertragene Auftritt nicht. Denn das Medium Fernsehen bietet Profis wie Fischer zwar ihre Chance: Der Außenminister nutzte sie durch seine bekannte Schlagfertigkeit. Aber es verzeiht auch nichts, und so behalten die Zuschauer neben dem witzigen auch den nervösen Fischer in Erinnerung, der quälend lange nach einer Antwort auf die aggressiv vorgetragene Frage suchte, ob man so wie er „ein Ministerium führen“ könne. Den Wiederaufstieg des einstigen Stars Fischer hat dieser Tag nicht gebracht.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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