Visa
Wunderbares Plastik

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Auf den ersten Blick erstaunt, dass Visa mitten in der schwersten Finanzkrise seit Jahren fast 18 Milliarden Dollar an den US-Börsen einsammelt. Auf den zweiten wird deutlich: Die Kreditkartenanbieter verdienen auch in stürmischen Zeiten bestens. Denn die steigende Zahl an Kreditausfällen trifft allein die Banken, die die Karten ausgeben. Deshalb sind Visa & Co. im Moment so sorgenfrei, wie es ihre Werbekampagnen ausdrücken: „Enjoy life’s opportunities“ – nutze die Möglichkeiten des Lebens!

Wie hoch diese Möglichkeiten eingeschätzt werden, lässt sich leicht am Rekordvolumen der Visa-Emission ablesen. Sie bestehen darin, komfortable elektronische Zahlungssysteme auf dem gesamten Globus zu verankern. Der Trend zum Plastikgeld ist ungebrochen, weil Kreditkarten ein Wundermittel sind: Sie sehen edler, stabiler und frischer im Design aus als blassgrüne Dollarnoten. Sie liegen federleicht im Portemonnaie, sorgen für eine rasche Zahlung und ermöglichen selbst dann noch Großeinkäufe, wenn im Geldbeutel bereits die Scheine fehlen. Wir sind auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft, die USA vorneweg. Dass die Karten (insbesondere von Amerikanern) bisweilen gedankenlos und ohne Rücksicht auf Verluste benutzt werden, kann man schwerlich den Finanzdienstleistern anlasten. Zu Krediten inklusive saftiger Zinsen wird keiner gezwungen.

Visa-Rivale Mastercard profitiert ebenfalls vom Plastikboom. Sein Wert hat sich seit dem Börsengang verfünffacht. Visa kommt zum Start auf fast 50 Milliarden Dollar Börsenwert, das ist beinahe das Fünffache des weltgrößten Autokonzerns General Motors. Die hohe Bewertung setzt das Unternehmen aber auch unter Druck: Sie lässt keinen Raum für enttäuschende Nachrichten.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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