Volkswagen
Kommentar: Ende einer Ära

Bei VW stehen die Zeichen auf Sturm. Der anstehende Tarifstreit ist mehr als eine Auseinandersetzung um Löhne und Arbeitsbedingungen. Er markiert das Ende einer Ära: der Konsensentscheidungen. Über Jahrzehnte hinweg gab es eine stillschweigende Übereinkunft zwischen Management und Belegschaftsvertretern, sich zwar bei jeder Tarifrunde kräftig zu streiten, sich aber nie wirklich wehzutun. Das ist jetzt alles anders.

Bereits im Vorfeld ist der Ton deutlich schärfer als gewohnt, die Fronten bereits vor der ersten Verhandlungsrunde verhärtet. Die Gründe liegen auf der Hand: Der VW-Ertrag sinkt seit Jahren, in den deutschen Produktionsstätten verdient der Konzern kaum noch Geld. VW bewegt sich in einem Umfeld, in dem der Kampf um Kunden und Marktanteile so stark wie nie zuvor über den Preis geführt wird. Die Kosten müssen gesenkt werden, will man nicht noch mehr Terrain an die kostengünstigeren Marken aus Asien verlieren. Das VW-Management hat gar keine andere Wahl, als hart zu bleiben. Es gibt nichts mehr zu verteilen, es gibt nur noch etwas zu retten.

In diese VW-Welt passt eine Gehaltsforderung von vier Prozent plus Arbeitsplatzgarantie für zehn Jahre ganz und gar nicht. Das spürt auch die Gewerkschaft. Sie versucht dennoch, Verhandlungsmasse aufzubauen, wo es eigentlich keine gibt. Sie wird diesen Kurs so schnell nicht verlassen, steuert auf Streik zu. Die wahrlich nicht vom Erfolg verwöhnte IG Metall wird die seltene Chance nutzen, bei einem Organisationsgrad von fast 100 Prozent wie bei VW die Muskeln spielen zu lassen. Doch am Ende wird sie sich der Einsicht beugen müssen, die der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende kürzlich bereits formuliert hat: „Jobs oder Mäuse“.

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