Volkswagen: Kommentar: Entwarnung noch lange nicht in Sicht

Volkswagen
Kommentar: Entwarnung noch lange nicht in Sicht

Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis gar nicht so schlecht aus: Volkswagen liegt über den Erwartungen und weist für das Jahr 2004 einen operativen Gewinn von gut zwei Milliarden Euro aus. Der Aktienkurs steigt daraufhin, institutionelle Anleger wittern eigene Profitchancen mit dem VW-Papier.

Doch das ist die extrem kurzfristige und auf wenige Tage abgestellte Sicht der Börsen. So viel besser hat Volkswagen gar nicht abgeschnitten. Das operative Ergebnis fällt nur um gut 100 Millionen Euro besser aus als zuletzt vom Unternehmen angekündigt. In einem Unternehmen mit fast 90 Milliarden Euro Umsatz gerät eine solch kleine Verbesserung fast zur Randnotiz.

Viel wichtiger ist die Frage, wie sich das Unternehmen auf mittlere und längere Sicht entwickeln wird. Und genau an diesem Punkt gibt es eine gehörige Portion an Zweifeln und Unsicherheiten. VW verbessert sein Ergebnis im Moment vor allem mit Hilfe seines harten Sparkurses. Es gibt keine Gewissheit, dass dieses „For-Motion“-Sparprogramm auch auf Dauer eine ordentliche Ertragssteigerung garantieren kann. Für Unsicherheit sorgt auch der schwache Dollar: Hält der Euro seinen Aufwertungskurs gegenüber der US-Währung, drohen dem Wolfsburger Autokonzern weitere Milliardenverluste auf dem amerikanischen Markt.

Für eine dauerhafte Erfolgssicherung können nur die Autos aus dem VW-Konzern sorgen. Immerhin steht in diesem Jahr einiges an, was potenzielle Käufer eines Volkswagen erwärmen könnte. Aus Brasilien kommt der kleine Fox auf den europäischen Markt, in Nordamerika startet VW den Verkauf des neuen Jetta. Und ganz wichtig für Europa: Von März an steht der Passat in neuem Gewand bei den Händlern.

Doch ein Erfolg mit neuen Modellen ist bei VW keineswegs mehr garantiert. Dafür steht beispielhaft die neue Golf-Version, die seit gut eineinhalb Jahren zu haben ist. Volkswagen hat die Absatzchancen dieses Autos vollkommen überschätzt und musste deshalb schmerzliche Abstriche auf der Ertragsseite hinnehmen. Wenn der Passat ähnlich floppt, wird 2005 ein schwieriges Jahr für die Wolfsburger.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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