Volkswagen
Kommentar: Kulturschock

Europas größter Autobauer ist in der Realität angekommen. Und diese ist hart, besonders für die deutschen Beschäftigten. Denn die Kultur des Konsenses zwischen Arbeitnehmern und Management als VW-typisches Modell zur Problemlösung ist nicht nur beschädigt, sie ist tot.

hof DÜSSELDORF. Wer daran noch letzte Zweifel hatte, sieht sich durch die Aussagen von Konzernchef Bernd Pischetsrieder eines Besseren belehrt. Seine einfache Formel, dass VW entweder weniger Köpfe oder geringere Kosten je Kopf benötige, ist klar und deutlich. Die Zeichen stehen auf Sturm.

Dabei ist VW auf den ersten Blick kein Krisenfall. Der Konzern erzielt Gewinne. In diesem Jahr sollen sie sogar wieder steigen. Doch von einer vernünftigen Marge ist Europas größter Autohersteller meilenweit entfernt. Die Verzinsung des Kapitals bewegt sich auf dem Niveau eines Sparbuchs, nur das Risiko ist erheblich größer. Denn der Konzern wird von der Tochter Audi und den Finanzdienstleistungen über Wasser gehalten. Die Hauptsäule des Umsatzes, die Kernmarke VW, ist fragil. In den USA erhöht jeder Verkauf eines VW die Verluste, im einst so profitablen Markt China wird nichts mehr verdient, in wichtigen Wachstumsregionen ist VW so gut wie nicht vertreten.

Die Einsicht, dass die Probleme nicht wie in der Vergangenheit stets angekündigt durch höhere Verkaufszahlen zu lösen sind, ist der erste Schritt. Das Eingeständnis, dass VW ein massives Kostenproblem hat, die logische Konsequenz. Nun müssen Taten folgen. Dass dabei nicht nur gekleckert werden kann, hat Pischetsrieder mit seinen Drohungen deutlich gemacht.

Noch schützt die westdeutschen Mitarbeiter bis 2011 die im Tarifvertrag verankerte Beschäftigungssicherung. Doch Betriebsräte und Gewerkschaften tun gut daran, nicht kompromisslos darauf zu beharren. Sechs Jahre sind schnell vorbei. Wenn nicht jetzt die Weichen in Richtung Kostensenkung gestellt werden, könnte alsbald der Kahlschlag drohen.

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