Volkswagen
Kommentar: Pischetsrieders Pleite

Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder muss einen neuen herben Rückschlag einstecken. Die Ölscheichs aus Abu Dhabi, die dem Autokonzern frisches Geld in die Kassen bringen sollten, sind abgesprungen. Der zuvor vereinbarte Preis für die VW-Aktien war den Investoren aus Arabien nach dem jüngsten Kursrückgang zu hoch, die Beteiligung an dem Flaggschiff der deutschen Industrie zu riskant. Das hat auch die Börse sofort zu Recht als alarmierendes Zeichen gewertet.

Der neue Großaktionär sollte zeigen, dass VW trotz der gesetzlich fixierten Dominanz des Landes Niedersachsen ein attraktives Investment ist. Nun kratzt der Rückzug der Scheichs am Image des Konzerns. Doch er kratzt auch an den Finanzreserven, denn Abu Dhabi sollte die milliardenteure Übernahme des Leasingunternehmens Lease Plan mitfinanzieren.

Dadurch steigt nun der Druck auf den Vorstand, in den gerade beginnenden Tarifverhandlungen eine deutliche Reduzierung der Personalkosten durchzusetzen. Auch wenn die IG Metall das nicht wahrhaben will: Sie befindet sich auch hier im Abwehrkampf. Etwas verdächtig wirkt allerdings, dass der Vorstand unmittelbar zum Start der Tarifrunde das Scheitern der Verhandlungen mit Abu Dhabi bekannt gab. Wollte er etwa bewusst Dramatik erzeugen?

Der Absprung der Scheichs ist auch für Pischetsrieder persönlich ein Problem: Ihm fehlen die Erfolge. Sicher, er hat eine verfehlte Produktpolitik vom Vorgänger geerbt und den Kurswechsel eingeleitet. Doch es wird noch Jahre dauern, bis die neue Linie wirklich sichtbar wird. VW ist noch immer in der Defensive, erwirtschaftet zu geringe Renditen und leidet stark unter der gegenwärtigen Krise des Automarktes. Da könnten bald die Spekulationen um Pischetsrieders Ablösung wieder aufleben.

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