Volkswagen
Prozesshansel

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VW-Chef Martin Winterkorn kann man bewundern oder bedauern – tauschen möchte man derzeit nicht mit ihm. Während er Mitarbeiter motiviert und Kunden mit Autos wie dem Tiguan überzeugt, überziehen seine Großaktionäre Porsche und Niedersachsen sich gegenseitig mit Klagen. Dem Ansehen des Unternehmens Volkswagen, das Toyota einholen will, schadet der Hickhack, Winterkorn erschwert er die Arbeit.

Doch der Streit um den Einfluss auf Europas größten Autobauer hat offenbar den Gipfel noch nicht erreicht. Jetzt zieht nach dem Betriebsrat auch das Land Niedersachsen vor Gericht – in Hannover –, um seine Position gegenüber dem absehbaren Mehrheitseigner Porsche zu behaupten. Der Stuttgarter Autobauer verklagt Niedersachsen vor dem Landgericht Braunschweig.

Worum geht es? Im Vordergrund steht die Frage, ob wie bisher 20 Prozent oder wie von Porsche gefordert 25 Prozent der Stimmrechte für eine Sperrminorität notwendig sind, das ist alles. Faktisch spielt die Frage keine Rolle: Bei der jetzt vor Gericht anhängigen VW-Hauptversammlung in Hamburg am 24. April waren wie üblich gerade einmal knapp 58 Prozent der Stimmrechte vertreten. Das Land hat unter diesen Umständen in jedem Fall eine ausreichend starke Position.

Die Stuttgarter wollen dagegen den Durchmarsch und sich nicht auf einen Kompromiss einigen. Das hat sie in Wolfsburg ihren anfänglichen Ruf als Retter des VW-Konzerns gekostet und belastet immer stärker das Zutrauen in die guten Absichten.

Dazu kommt eine Bundesregierung, die aus Rücksichtnahme auf die Balance in der Großen Koalition ein neues VW-Gesetz strickt. Dabei weiß sie, dass es so gut wie sicher von der EU-Kommission abgelehnt wird, und sagt das auch selbst. Das Wohl des Konzerns steht derzeit weder für die Politik noch für die Großaktionäre im Mittelpunkt des Handelns.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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