Volkswagen
Systemfehler

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Hat er nun, oder hat er nicht? Im Braunschweiger VW-Prozess dreht sich fast alles um die Frage, ob der frühere Konzernlenker Ferdinand Piëch etwas von der Bestechung des Betriebsrats mit Prostituierten und teuren Reisen gewusst hat. Volkswagen weist diese Vermutung mit allem Nachdruck zurück, und auch die gestrige Vernehmung des ehemaligen Finanzvorstands Bruno Adelt diente eher der Entlastung seines damaligen Vorgesetzten.

Doch trotzdem ist es bemerkenswert, was derzeit in Braunschweig passiert. Dort im Gerichtssaal wird noch einmal im Detail dargelegt, welch unglaublichen Vorgänge es in einem der größten deutschen Industriekonzerne gegeben hat. Zumindest einem Teil des Vorstandes war die Absicht bekannt, die höchsten Arbeitnehmervertreter des Konzerns mit dubiosen Methoden bei Laune zu halten. Und immer schön auf Kosten von Volkswagen, zu Lasten der Aktionäre.

Ein VW-Manager sagte gestern in Braunschweig aus, dass letztlich das Volkswagen-Gesetz für die zweifelhaften Sonderleistungen an die Betriebsräte verantwortlich sei. Weil das VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen als wichtigem Anteilseigner Sonderrechte einräumte, auch den Arbeitnehmervertretern zusätzliche Einflussmöglichkeiten beschert habe. Wie gut, dass der Europäische Gerichtshof dem VW-Gesetz ein Ende bereitet hat. Volkswagen-Manager müssen sich jetzt zu ihrer Verantwortung bekennen und können sich nicht mehr hinter Paragrafen verstecken.

Aber in der Äußerung des VW-Managers steckt auch ein Fünkchen Wahrheit: Bei VW hat es einen Systemfehler gegeben, das Prinzip der Mitbestimmung ist dort pervertiert worden. Wie gut, dass mit dem Ende des VW-Gesetzes auch die Macht der Betriebsräte eingeschränkt wird.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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