Volkswagen
Vager Verdacht

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Im Volkswagen-Korruptions-Prozess bahnt sich eine interessante Wendung an. Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef und graue Eminenz im VW-Konzern, soll von den Bestechungen der Betriebsräte durch das Management gewusst haben. Und könnte möglicherweise höchstselbst vor Gericht geladen werden, allerdings nicht wie bisher als Zeuge, sondern als Beklagter. Gegner des Wolfsburger Auto-Oligarchen Piëch werden sich die Hände reiben. Sie sollten sich aber nicht zu früh freuen.

Der Einsicht des Richters im laufenden Prozess, es sei wohl sehr „lebensnah“, dass Piëch zumindest im Bilde gewesen sein muss über den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten im Konzern, kann man nur zustimmen. Schließlich war Piëch zur fraglichen Zeit selbst Vorstandschef des Unternehmens und dafür bekannt, mehr zu wissen, als allen anderen im Management lieb war. Doch selbst wenn sich diese Lebenserfahrung zur gerichtlich verwertbaren Erkenntnis verdichten sollte: Welche Folgen hätte sie? Vermutlich nur geringe.

Ferdinand Piëch regiert dieses Unternehmen autokratisch. Auch der Verdacht, doch etwas mehr gewusst zu haben von den peinlichen Vorgängen, wird ihn nicht vom Thron stoßen. Gegenteiliges zu hoffen wäre trügerisch. Piëch sitzt fest im Sattel, weil er und seine Familie inzwischen auch die Hauptaktionäre in Wolfsburg sind.

Doch für das ohnehin angespannte Verhältnis der Häuser Porsche und Volkswagen und vor allem für deren Belegschaften wäre ein Ferdinand Piëch auf der Anklagebank eine schwere Bürde. Und die Vision, aus den beiden Autoherstellern einen neuen, schlagkräftigeren Konzern zu schmieden, wird nicht gegen den Widerstand der Mitarbeiter funktionieren. Selbst ein Piëch dürfte daran scheitern.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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