Volkswagen
Viel Lärm um nichts

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Shakespeare hätte seine helle Freude an dem Drama um die Machtverteilung bei Europas größtem Autobauer Volkswagen. Die Hauptdarsteller aus Wolfsburg und Stuttgart, Berlin und Hannover wetteifern seit Monaten um die überzeugendste Präsenz auf der hell erleuchteten Bühne von Wirtschaft und Politik. Dabei bestimmt Taktiererei das Schauspiel ebenso wie handfeste Interessenpolitik.

Niedersachsens Landesfürst Christian Wulff geht es vierzehn Tage vor der VW-Hauptversammlung um die Meinung der gut 80000 Mitarbeiter des Konzerns, ihrer Familien und Freunde, die in seinem Land wohnen. Gestern hat er VW-Großaktionär Porsche deshalb aufgefordert, sich mit der bei VW bislang festgeschriebenen Sperrminorität von 20 Prozent abzufinden. Die sichert dem Land formal ein Vetorecht zu.

Praktisch ist die Forderung reine Rhetorik: Natürlich weiß Wulff, dass Einknicken das Letzte ist, was Porsche-Statthalter Wendelin Wiedeking tun wird. Warum sollte er auch? Die Stuttgarter besitzen bereits 30,6 Prozent an Volkswagen, der Griff nach der Mehrheit erfolgt, sobald die 16 prüfenden Kartellämter dem Deal zustimmen. Wiedeking weiß aber auch, dass Niedersachsen in der Realität deutscher Hauptversammlungen locker 25 Prozent der Stimmen stellen wird. Der Porsche-Chef will Brüssel dokumentieren, dass der Wolfsburger Autokonzern trotz des gefallenen VW-Gesetzes noch immer kein normales Unternehmen ist.

Am Ende dreht sich der Streit um einen CDU-Landesfürsten, der die Interessen seiner Wähler, des bei VW mächtigen Betriebsrates und der IG Metall über das wirtschaftspolitische Profil seiner Partei stellt. Und um einen Wirtschaftsführer, der unbedingt sein Recht durchsetzen will. Das Getöse ist groß. Die Bedeutung gering.

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