Vorgezogene Neuwahl des Bundestags
Vorteil für Angela Merkel

Angela Merkel wird die Union in die nächste Bundestagswahl führen. Kaum jemand hat daran noch gezweifelt. Aber der Überraschungscoup des Kanzlers, die Wahl vorzuziehen, beschleunigt die formelle Entscheidung der Union.

Viele Beobachter verweisen jetzt auf das, was selbst Führungsleute der Union immer wieder eingestanden haben: Die Union ist weder personell noch inhaltlich auf einen Wahlkampf vorbereitet. Frau Merkel sollte erst im November offiziell nominiert werden. Konkurrenzneid und Zweifel daran, dass sie eine Wahl im Westen Deutschlands gewinnen kann, nagen immer noch an den mächtigen Landesfürsten der Union.

Wer welchen Job in einer von Merkel geführten Regierung übernehmen würde, ist offen. Klare und tragfähige Konzepte für die Reform des Sozial- und Steuersystems haben die Schwesterparteien CDU und CSU noch nicht vereinbart.

All das ist richtig - und wird doch kaum eine Rolle spielen. Es wäre in einem lang andauernden Wahlkampf zu einem Problem für die CDU-Chefin geworden. Aus der Verlegenheit hat sie aber just der Überraschungsstreich Gerhard Schröders befreit. Nun gibt es eine kurze Kamapagne. Die Union kann sie in souveräner Oberflächlichkeit allein mit dem Wechselwillen bestreiten.

Die Wähler werden nicht einmal genau nachfragen, ob Merkel nun eine freie Marktwirtschaft etablieren oder den rheinisch-bayerischen Konsenskapitalismus fortsetzen will: Der Eindruck, dass Rot-grün keine Kraft mehr hat, deckt alles zu.

Innerhalb der Union werden die ungelösten Konflikte erst nach der Wahl heftig aufbrechen. Auch da hilft der frühe Wahltermin Frau Merkel: Sie hat mehr Zeit, um sich aus dem Anfangschaos herauszugraben. Spätestens 2007 nämlich muss sie fest im Sattel sitzen. Mehr Zeit lassen ihre Konkurrenten Koch und Wulff ihr nicht. Denn die wollen in ihren Ländern in Ruhe wiedergewählt werden.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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