Vorläufiges Ergebnis der Bundestagswahl
Wahl ohne echte Gewinner

Nach dem vorläufigen Ergebnis der Bundestagswahl ist die Union mit 35,2 Prozent knapp stärkste Kraft. Die SPD kommt auf 34,3 Prozent. Doch wer künftig das Land regiert, ist völlig unklar. Sowohl Kanzler Schröder als auch Angela Merkel beanspruchen den Sieg für sich. Ampel, Schwampel, große Koalition - alles scheint möglich.

HB BERLIN. Die Union ist bei der Bundestagswahl am Sonntag mit knappem Vorsprung stärkste Kraft geworden. Laut Homepage des Bundeswahlleiter vom frühen Montagmorgen kamen CDU und CSU gemeinsam auf 35,2 Prozent (2002: 38,5). Die SPD erreichte 34,3 Prozent (38,5). Die FDP kam auf 9,8 Prozent (7,4), die Linkspartei 8,7 Prozent (PDS: 4,0). Die Grünen erreichten 8,1 Prozent (8,6). Die Wahlbeteiligung lag bei 77,7 (79,1). Über die genaue Anzahl der Mandate gab es noch keine Angaben.

Die Nachwahl im vor drei Jahren hart umkämpften Wahlkreis Dresden I könnte am 2. Oktober endgültig über die Kräfteverhältnisse entscheiden. Denkbar wäre dann ein Patt oder sogar ein SPD - Mandatsvorsprung.

Unabhängig von dem Ergebnis sieht sich die SPD als Sieger der Wahl. Schröder beharrte darauf, dass Parteien die Koalitionsverhandlungen führen, CDU und CSU also getrennt betrachtet werden müssten. Er schloss eine große Koalition mit der Union unter einer Kanzlerin Merkel aus und reklamierte die Führung eines solchen Bündnisses für sich.

Wahlsieger sind mit starken Gewinnen FDP und Linkspartei. Die Freidemokraten legten sensationell auf das beste Ergebnis seit der Wiedervereinigungs-Wahl 1990 zu. Die Linkspartei schaffte in Fraktionsstärke den Einzug in den Bundestag, den ihre Vorgängerin PDS 2002 verpasst hatte. Die Grünen verloren leicht und fielen vom dritten auf den fünften Platz des Parteienspektrums zurück.

CDU und CSU stürzten auf ihr zweit- oder drittschlechtestes Resultat im Bund überhaupt ab. Die SPD kam auf eines ihrer schlechtesten Ergebnisse seit 50 Jahren. Beide verfehlten klar ihre Wahlziele: CDU und CSU mit Kanzlerkandidatin Merkel verpassten den Machtwechsel zu Schwarz-Gelb überraschend deutlich; Schröder scheiterte mit dem Anspruch, durch die vorgezogene Wahl einen neuen Auftrag für Rot-Grün zu erhalten.

Dennoch sagte der Kanzler am Abend: "Ich fühle mich bestätigt, für unser Land dafür zu sorgen, dass es auch in den nächsten vier Jahren eine stabile Regierung unter meiner Führung geben wird." Niemand außer ihm selbst sei "in der Lage, eine stabile Regierung zu bilden".

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