Vorsprung durch Informationen

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Vorsprung durch Informationen

Der Megadeal in der Rohstoffbranche ist amtlich: Für Investoren ist die Fusion von Glencore und Xstrata eine Hochzeit im Himmel. Für die Kunden nicht. Ein Kommentar.
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"Everest" lautet der Codename für das Vorhaben, das die Rohstoffriesen Glencore und Xstrata seit gut zwei Monaten im Stillen geplant und gestern offiziell gemacht haben: ihre Fusion zu einem noch deutlich gewichtigeren Konzern.

Sie hätten sich keinen passenderen Namen aussuchen können. Nirgendwo ist man dem Himmel so nah wie auf dem höchsten Gipfel der Erde. Und schon lange gab es keine Fusion, die so sehr wie diese das Zeug hat, auch dauerhaft als Hochzeit im Himmel in die Geschichtsbücher einzugehen. Der Zusammenschluss ist das Beste, was den Unternehmen und ihren Investoren passieren kann. Für ihre Kunden sind das dagegen schlechte Nachrichten.

Glencore ist der weltweit größte Rohstoffhändler, und Xstrata gehört, gemessen am Börsenwert, Umsatz und Gewinn, bereits zu den führenden globalen Rohstoffförderern. Die größten Konkurrenten BHP Billiton und Rio Tinto wird auch der fusionierte Konzern nicht vom Thron stoßen. Doch durch den Zusammenschluss entsteht etwas, was es in dieser Form in der Branche noch nicht gibt: Das neue Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab.

Es kontrolliert nicht nur den Abbau von Rohstoffen, sondern deckt auch Handel, Transport und Lagerung in einem Maße ab wie kein anderer Konkurrent. Es wäre der erste komplett vertikal integrierte Anbieter, wie es im Fachjargon heißt, wenn Glencore und Xstrata ihre Pläne jetzt bis zum Ende durchziehen. Und das beschert dem fusionierten Konzern mehr Marktmacht gegenüber den Kunden - bei Preisverhandlungen und beim Festlegen der Lieferbedingungen. Zudem verschieben sich die Gewichte gegenüber den Regierungen vieler Schwellenländer, wo die Rohstoffe gefördert werden, weiter zugunsten des Unternehmens.

Xstrata ist heute schon führend bei der Produktion von Kokskohle, Kupfer, Zink und Nickel. Glencore hat zwar auch eigene Minen, um Metalle zu fördern, und Farmen, um Mais, Zucker und Baumwolle anzubauen. Doch den wesentlichen Teil des Geschäfts machen Handel und Transport. Vom globalen Ölverbrauch etwa gehen drei Prozent über die Glencore-Vertriebskanäle.

Glencore und Xstrata sind Schwergewichte, wie es sonst nur wenige Unternehmen gibt. Doch kombiniert man beide Konzerne und liegen Herstellung, Vermarktung und Transport in einer Hand, hat das fusionierte Unternehmen eine Reihe von Vorteilen: Es kann so gut wie kein anderer Konkurrent regionale Preisdifferenzen zu seinem Vorteil ausnutzen, die Produktionskapazitäten stärker an Nachfrageschübe und Lieferengpässe anpassen und den Zeitplan für das Verschiffen der Rohstoffe optimieren. Vorsprung durch eine enorme Fülle an Informationen ist dann die uneinholbare Stärke des Konzerns.

Mit den klassischen Instrumenten der Wettbewerbspolitik ist dieser Vorteil nicht zu greifen. Die Kartellbehörden haben keine Handhabe dagegen und werden die Fusion daher wohl auch durchwinken. Denn Glencore/Xstrata werden voraussichtlich nicht gewisse Marktanteilsgrenzen überschreiten, die als problematisch gelten.

Gemeinsam haben die Unternehmen auch die Finanzkraft, noch größer zu werden - auf die Kunden, die auf die Rohstoffe angewiesen sind, kommen unangenehme Zeiten zu.

Die Autorin ist Korrespondentin in London.

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