Vorstandsvergütung
Warum steigen die Gehälter von Jahr zu Jahr?

Viele Konzerne veröffentlichen ihre Vergütungsberichte nur zögerlich. Bei genauer Durchsicht stellt sich der Eindruck ein: Egal wie die Geschäfte gehen, Vorstände sollen gut bezahlt werden.
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DüsseldorfDaimler hat seinen Vergütungsbericht veröffentlicht. In diesem Punkt ist der Konzern immer vorbildlich. Die Konkurrenz lässt sich Zeit. Warum das so ist, kann niemand so richtig erklären. Dieter Zetsches Bezüge für das Geschäftsjahr 2011 zu berechnen dürfte kaum schwieriger sein als die des Führungsduos bei SAP. Doch was Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe überwiesen bekommen, das werden wir erst im April erfahren. Geschäftszahlen von SAP liegen dann schon Monate vor.

Die Verzögerungstaktik einiger Unternehmen nährt den Verdacht, dass Vergütung immer noch als heißes Eisen gilt. Sieben Jahre nach der Einführung der Transparenzregeln und drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung ist das schon erstaunlich. Der offene Umgang mit der Bezahlung des Topmanagements sollte längst Normalität sein. Zumal Vergütungssysteme heute mehr denn je ein Gradmesser sind für die Bereitschaft der Konzerne, ihren Aktionären Rechenschaft abzulegen.

Denn es geht längst nicht mehr darum, den Vorständen einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten, der ihrer gesellschaftlichen Rolle als Spitzenmanager in einem großen Unternehmen entspricht. Dann würde eine Million Euro Jahreseinkommen plus Fahrer locker reichen.

Nein, heute sind Vergütungssysteme ein Ausdruck der Unternehmensphilosophie. Hat sich der Konzern dem bedingungslosen Shareholder-Value verschrieben? Gibt es eine Strategie über den Tag hinaus? Welche (Erfolgs-)Prinzipien werden belohnt? Werden die angestellten Vorstände als Mit-Unternehmer gesehen oder als austauschbare Managerware?

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Auch Zetsche hat die Zwei-Millionen-Hürde genommen

Kommentare zu " Vorstandsvergütung: Warum steigen die Gehälter von Jahr zu Jahr?"

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  • Sie sprechen da einen Punkt an, der sehr deutlich zeigt, wie Marktwirtschaft heute von einigen begriffen wird. Diese Herrschaften gönnen sich jedes Jahr ein Gehalt, welches Sie in ihrem Leben nicht mehr sinnvoll ausgeben können, auch wenn die Geschäfte schlecht gehen. Dabei verordnen sie den Mitarbeitern ihrer Konzerne eine Sparrunde nach der anderen. Die dabei definierten Regeln, wie Kürzungen bei Stellen, Reise- und Arbeitsmitteln, Spesen, Boni und Zulagen gelten natürlich für alle, nur nicht für das Top-Management.
    So sieht Führung heute in den Konzernen vielfach aus: Wer die Regeln macht, braucht sich nicht daran zu halten.
    Diese egoistische Hemmungslosigkeit, die uns die Bankenkrise beschert hat, ist auch längst in anderen Branchen verbreitet. Auf Dauer werden die Menschen diese Form der Marktwirtschaft nicht akzeptieren.

  • Genau aus dem gleichen Grund, wieso Politikergehälter immer steigen:
    Weil sie sich das selber genehmigen können.

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