Votum
Gefährlicher Stillstand bei der Insolvenzordnung

Für die kommende Woche hat der Verband der Insolvenzverwalter nach Berlin eingeladen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wird den Kongress eröffnen und sich einiges an Kritik von den Praktikern anhören müssen – zu Recht.

Die Insolvenzordnung gleicht einer Dauerbaustelle, bei der zu wenig Baufortschritt zu erkennen ist. Zur Qualität der Insolvenzverwalter verliert der im Juni vom Bundeskabinett gebilligte Gesetzentwurf aus dem Haus von Zypries kein Wort – auch nicht zu der von Insolvenzrichtern.

Dabei kann sich Deutschland so einen Stillstand nicht leisten. Die Liquidations- und Zerschlagungsrate nach Insolvenzanträgen ist zu hoch. Dafür gibt es Gründe.

Viele Firmen werden zerschlagen, weil der Insolvenzverwalter sein Handwerk nicht beherrscht. Das sagen nicht nur enttäuschte Unternehmer. Die fehlenden Qualitätskriterien beklagen selbst gestandene Insolvenzpraktiker an ihren Kollegen. Insolvenzplanverfahren würden nur in einem Bruchteil aller Fälle durchgeführt, ist eine der Klagen. Zu kompliziert für viele Verwalter, heißt es achselzuckend. Die Folgen tragen Gläubiger und Arbeitnehmer. Die einen verlieren ihr Geld, die anderen ihren Job.

Hinzu kommt, kein Gläubiger, kein internationaler Investor mag es, wenn er letztendlich nicht weiß, wer das Insolvenzmanagement übernimmt. Wer wirft schon gerne schlechtem auch noch gutes Geld hinterher. Beherrscht der Insolvenzverwalter sein Handwerk? Verliere ich nicht alles, wenn ich jetzt schon Insolvenz anmelde und an den Falschen gerate? Fragen, die sich jeder Unternehmer in einer solchen Situation stellt. Offenbar lautet die Antwort in den meisten Fällen immer noch Ja. Denn allzu oft wird der Insolvenzantrag zu spät gestellt, verspielt das Unternehmen wichtige Sanierungschancen.

Immerhin, die Auswahl der Insolvenzverwalter wird transparenter. Künftig sollen die Gerichte die Verwalter aus dem Kreis aller Personen auswählen, die sich zur Übernahme von Insolvenzfällen bereit erklärt haben. Bislang erfolgt die Auswahl nach geschlossenen Listen, in die ein neuer Bewerber nur dann aufgenommen wird, wenn eine andere Person ausgeschieden ist. Der oft kritisierte „closed shop“ hat damit ein Ende. Damit folgt Zypries aber lediglich einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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