VW-Affäre
Kommentar: Unverfroren

Sollte es noch irgend jemanden geben haben, der glaubte, VW habe aus der Affäre um Lustreisen und Bordell-Besuche auf Firmenkosten etwas gelernt, der wird seit kurzem eines besseren belehrt. Verschämt muss der Autmobilkonzern nun Meldungen bestätigen, dass er einen der Bordellbesucher, obwohl verurteilt, weiterbeschäftigen wird.
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Und der ist kein geringer: Günther Lenz, Ex-SPD-Abgeordneter und Ex-Betriebsrat, saß zur Tatzeit immerhin im Aufsichtsrat von VW. Der Konzern zeigt damit deutlich, dass er nicht gewillt ist, reinen Tisch zu machen.

Besonders unverfroren die Begründung dafür: Lenz habe eine zweite Chance verdient, von Ermessenspielräumen ist die Rede und davon, dass diese auch für andere Fälle gegolten hätten. Welche vergleichbaren Fälle gibt es im Konzern? Lenz hat keine Brötchen aus der Kantine gestohlen. Er hat sich mit Prostituierten gefügig machen lassen. Das vom ehemaligen Personalvorstand Peter Hartz entwickelte System war genau darauf angelegt, jene, die eigentlich Arbeitnehmerinteressen vertreten sollten, männerbündisch ruhig zu stellen, um Arbeitgeberinteressen besser durchsetzen zu können.

Lenz ist auch kein reuiger Sünder. Bis zuletzt hat er standhaft die ihm vorgeworfenen Taten geleugnet. Erst nachdem Ex-VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer, der für die Prostituiertenbeschaffung. zuständig war, Lenz eindeutig belastete, hat der seinen Widerstand aufgegeben. Mitnichten hat er allerdings öffentlich zu seinen Taten gestanden. Er hat den geheimen Weg des Strafbefehls gewählt, um einen Prozess zu vermeiden.

Warum VW Lenz nun weiterbeschäftigt, bleibt das Geheimnis der Konzernleitung. Vielleicht weiß er ja mehr, als er aussagen soll. Bis heute kommen immer wieder Fragen auf, was die Konzernspitze um Ferdinand Piech von dern Vorgängen um das System Hartz wusste. Vielleicht wird Lenz ja jetzt ein zweites Mal ruhig gestellt.

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