VW: Kommentar: Golf-Lehre

VW
Kommentar: Golf-Lehre

Der schleppende Anlauf des Golfs ist mehr als der verpatzte Start eines Modells. Er ist Zeugnis einer überstrapazierten Premium-Philosophie, die die Geldbörse vieler Kunden überfordert hat.

Ein erfolgreiches Produkt ist für jedes Unternehmen ein Segen, es alle paar Jahre neu zu erfinden umso schwieriger. VW ist das in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Golf immer wieder gelungen. Und auch der jüngste Spross erhält für seine Technologie viel Lob. Vielleicht ist es gerade der Fluch dieses Erfolges, der den VW-Managern etwas den Blick für das verstellt hat, was zurzeit auf dem Markt los ist. Dort herrschen Käuferstreik und ein gnadenloser Preiskampf.

Dennoch verkündete Konzernchef Bernd Pischetsrieder noch vor Monaten stolz, dass die Marge bei dem Erfolgsmodell deutlich über jener des Vorgängers liegen würde. Doch der hohe Preis, der dafür erforderlich gewesen wäre, war unter den gegenwärtigen Marktbedingungen nicht durchzusetzen. Diese gravierende Fehleinschätzung muss sich der VW-Chef ankreiden lassen. Nun muss sich der Autokonzern ein Stück weit lösen von der technischen Verliebtheit, die der langjährige Vorstandschef Ferdinand Piëch in Wolfsburg gepflegt hat. Dessen Strategie, jeden Modellwechsel dazu zu benutzen, die Autos höher zu positionieren und dem Kunden dafür auch einen entsprechenden Preis abzuverlangen, scheint an Grenzen gestoßen zu sein.

Nicht nur die wachsenden Erfolge der japanischen und koreanischen Hersteller deuten darauf hin, dass die Kundenloyalität gesunken ist, der Preis beim Kauf eines Autos gerade dieser Klasse immer relevanter wird. Im Gegensatz zu den echten Premium-Marken wie Mercedes, BMW oder Audi kann sich Volkswagen diesem Trend anscheinend nicht entziehen. Daher ist der schleppende Anlauf des Golfs mehr als der verpatzte Start eines Modells. Er ist Zeugnis einer überstrapazierten Premium-Philosophie, die die Geldbörse vieler Kunden überfordert hat.

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