VW-Porsche
Blick ins Eingemachte

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Die Schlagzeilen führen in die Irre. „Porsche siegt vor Gericht“, heißt es zum gestrigen Arbeitsgerichtsurteil in Sachen VW-Betriebsrat gegen Porsche. Tatsächlich ist noch gar keine Entscheidung gefallen, jedenfalls nicht in der Sache. Der Richter lehnte das sogar mit Verweis auf die höhere Bedeutung des Streits ab. Der Fall geht weit über Porsche hinaus.

Denn die Grundsatzfrage, welche Rolle vermeintliche oder tatsächliche Arbeitnehmerrechte in der Unternehmenskontrolle spielen, dürfte jeden Gewerkschafter und auch Manager interessieren. Kann es sein, dass David (Porsche) und Goliath (Volkswagen) gleichberechtigt sind? Ist es zulässig, dass VW wie Porsche gleich viele Arbeitnehmervertreter in den neuen Porsche-Aufsichtsrat entsenden? Formal betrachtet hat der VW-Betriebsrat zwar das Porsche-Management vor Gericht gezerrt, tatsächlich aber zanken sich die Arbeitnehmer um Macht und Einfluss beim zusammenwachsenden Porsche-VW-Konzern. Denn spätestens nach dem Aus für das Volkswagen-Gesetz durch den Europäischen Gerichtshof am Dienstag dieser Woche ist klar: Die kleinen Sportwagenbauer aus Stuttgart werden jetzt die Regie beim Riesen in Wolfsburg übernehmen.

Nichts anderes dokumentiert auch die geplante Besetzung des Aufsichtsrats: Es ist eine Übernahme, keine Fusion unter Partnern. Das zur Kenntnis zu nehmen fällt den selbstbewussten Wolfsburger Automobilbauern natürlich schwer. Nun ist es aber keine Heuschrecke, die der Selbstständigkeit VWs ein Ende bereitet, auf der könnte man beliebig herumtrampeln. Die weitere juristische Auseinandersetzung dürfte daher einen tiefen Blick ins Eingemachte geben. Welche Bedeutung hat die deutsche Mitbestimmung eigentlich noch?

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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