VW-Prozess
Kommentar: Urteil mit fadem Beigeschmack

Das Urteil als solches ist keine Überraschung mehr: Der frühere VW-Betriebsratschef Klaus Volkert muss ins Gefängnis. Auch wenn seine Anwälte Revision ankündigen: Nach dem Richterspruch von heute muss niemand mehr an der Schuld des ehemaligen Top-Arbeitnehmervertreters von Volkswagen zweifeln. Trotzdem gibt es einen faden Beigeschmack bei diesem Richterspruch.
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Das Urteil als solches ist keine Überraschung mehr: Der frühere VW-Betriebsratschef Klaus Volkert muss ins Gefängnis. Das Braunschweiger Gericht setzt die Strafe so hoch an, dass sie nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Auch wenn Volkerts Anwälte Revision ankündigen: Nach dem Richterspruch von heute muss niemand mehr an der Schuld des ehemaligen Top-Arbeitnehmervertreters von Volkswagen zweifeln.

Volkert steht für ein völlig pervertiertes Verständnis von Mitbestimmung im Volkswagen-Konzern: Er war der Meinung, dass er als Chef des Konzernbetriebsrats ähnlich gut verdienen müsste wie ein Mitglied des Vorstands. Da dafür aber auf legale Weise kein Geld innerhalb des Konzerns bereitgestellt werden konnte, musste ein System von Schwarzgeld und geheimen Kostenstellen geschaffen werden. Volkert trieb diese Verrücktheiten noch auf die Spitze und nahm Geld des Unternehmens in die Hand, um Prostituierte bezahlen zu lassen.

Von daher geht die Verurteilung von Volkert absolut in Ordnung. Es ist nichts anderes als Betrug, wenn das Geld eines Unternehmens für solch absurden Zwecke wie die Bezahlung von Liebesdamen ausgegeben wurde.

Trotzdem gibt es einen faden Beigeschmack bei diesem Urteil. Volkert hatte einen Gegenpart im Konzernvorstand, Personalchef Peter Hartz. Der einstmals gefeierte VW-Manager hat erst dafür gesorgt, dass Volkert Schwarzgeld bekommen konnte. Seine Motivation: Den Betriebsrat wohl zu stimmen, damit die Mitbestimmung im Sinn des Vorstands funktioniert. Wieder eine absolute Verrücktheit, der Gedanke der Mitbestimmung nimmt damit schweren Schaden. Peter Hartz ist dafür ebenfalls verurteilt worden, sogar schon rechtskräftig. Hartz ist aber mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen. Die Richter müssen sich deshalb die Frage gefallen lassen, ob sie mit zweierlei Maß messen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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