VW
Stimmungswechsel in Wolfsburg

Als VW vor fast zwei Jahren verkündet hat, 2008 ein operatives Ergebnis von 5,1 Milliarden Euro zu erzielen, waren viele Experten skeptisch. Das Bild von Europas größtem Automobilhersteller war zu dieser Zeit geprägt von Sparappellen, von der unseligen VW-Affäre, die eine fesselnde Verfilzung innerhalb des Konzerns offenbarte, und von offensichtlichen strukturellen Schwächen. Die Kernmarke des Konzerns, VW-PKW, die für rund 60 Prozent der Verkäufe steht, produzierte anhaltend rote Zahlen, brauchte zum Bau eines Autos doppelt so lange als die Konkurrenz und litt zudem unter zu hohen Stundenkosten am Standort Deutschland.

Anfang 2007 präsentiert sich der Konzern völlig anders: Die Restrukturierung der Marke VW, vom Ex-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und seinem Markenchef Wolfgang Bernhard eingeleitet, greift, die Premiummarke Audi eilt zu immer neuen Rekorden und auch alle anderen Fabrikate des Konzerns zeigen durchweg Ergebnisverbesserungen. Die VW-Affäre erscheint nur noch als Episode aus der Vergangenheit, die Produktivität hat sich deutlich erhöht, die Kosten sind gesunken.

Während Martin Winterkorn, der neue Mann an der Konzernspitze, im operativen Bereich vorerst nur die Ernte seines Vorgängers einfahren muss, hat auch er seinen Anteil dazu beigetragen, dass die Stimmung gedreht hat. Statt die Probleme und Schwächen von VW zu thematisieren, konzentriert er sich stärker als sein Vorgänger darauf, den Konzern in ein positives Licht zu stellen, die Stärken und die Visionen zu betonen. Gefährlich wäre das nur dann, wenn er dabei die Basis des VW-Aufschwungs, nämlich eine klare Kostenkontrolle, aus den Augen verlieren würde.

Zusätzlich zu den operativen Fortschritten kommen dem Konzern in dieser Situation des Umbruchs die klaren Machtverhältnisse nach dem Einstieg von Porsche als Großaktionär und das enge Verhältnis zwischen Winterkorn und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden und Mentor Ferdinand Piech des zugute. Sie garantieren, dass sich das Management in Ruhe seine Arbeit machen kann. Die Ergebnisverbesserung, die sich in den Zahlen des ersten Quartals offenbart, bietet dafür genügend Spielraum. Am deutlichsten wird dies in der auf 9,4 Milliarden Euro gestiegenen Netto-Liquidität des Automobilbereichs.

Winterkorn hat in Wolfsburg optimale Startbedingungen vorgefunden. Nun muss er zeigen, ob er nicht nur der anerkannt visierte Techniker ist, sondern daraus ein nachhaltiges wirtschaftliches Konzept für den Gesamtkonzern zimmern kann. Die Entscheidungen, die er jetzt trifft, werden sich erst in zwei, drei Jahren in den Ergebnissen niederschlagen und sich auch erst dann beurteilen lassen.

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