Wachstum
Motor statt Schlusslicht

Deutschland bewegt sich. Auf 2,3 Prozent soll das Wirtschaftswachstum im Jahr 2005 ansteigen, prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Angesichts der kümmerlichen Resultate vergangener Jahre klingt das nicht schlecht.

Deutschland bewegt sich. Auf 2,3 Prozent soll das Wirtschaftswachstum im Jahr 2005 ansteigen, prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Angesichts der kümmerlichen Resultate vergangener Jahre klingt das nicht schlecht, zumal sich der Abstand zu den Wachstumsraten der anderen europäischen Länder in der nächsten Zeit deutlich verringern soll. Es sieht so aus, als könne Deutschland endlich die rote Laterne abgeben.

Doch das ist kein Grund zum Schulterklopfen, sondern Anlass, sich ehrgeizigere Ziele zu setzen. Der Anspruch Deutschlands kann sich nicht darin erschöpfen, im Mittelfeld einer Wachstumsrangliste aufzutauchen – schon deshalb, weil wir in den letzten Jahren von unseren Handelspartnern und deren Wirtschaftswachstum profitiert haben. Der Titel „Exportweltmeister“ schmückt uns, hat aber einen schalen Beigeschmack: Während die heimischen Unternehmen im Ausland reüssieren, lahmt die Binnenkonjunktur bedenklich. So gesehen haben wir also auch eine Verpflichtung, unser internes Wachstum anzukurbeln – nicht nur die Vereinigten Staaten, auch die europäischen Partner haben uns daran wiederholt erinnert.

Bei aller Hoffnung auf eine sich belebende Konjunktur darf man nicht aus den Augen verlieren, dass Deutschland auch in den nächsten zwei Jahren den Durchschnitt in der Europäischen Union senkt, statt ihn zu erhöhen. Die mit Abstand größte Volkswirtschaft Europas belastet also den Kontinent, statt ihn zu stützen.

Deutschland bremst den Konjunkturzug nicht mehr so stark wie zuvor – das ist noch das Beste an der OECD-Prognose. Aber von der Rolle der viel beschworenen Wachstumslokomotive ist die deutsche Wirtschaft noch weit entfernt.

Deutschland braucht die Ambition, wieder in die Spitzengruppe zu gelangen. Das Ziel, nicht den Anschluss ans Mittelfeld zu verlieren, reicht nicht aus. Konkret heißt das: Die geplanten Strukturreformen sind zwar notwendig, aber nicht ausreichend, um Deutschland nach vorn zu bringen. Gestalten statt erhalten muss deshalb die Devise in Berlin sein: Innovationen dringend gesucht.

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