Wahlen in Afghanistan
Die Nato in der Pflicht

Wer auch immer die Wahlen in Afghanistan gewonnen hat, als Erfolg werden sie in jedem Fall in die Geschichte eingehen. 25 Jahre nach der Sowjet-Invasion, dem anschließenden Bürgerkrieg und der Taliban-Herrschaft haben die Afghanen erstmals einen von ihnen legitimierten Präsidenten gewählt. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie. Allein dass die Wahlen ohne gewalttätige Zwischenfälle verlaufen sind, ist ein ermutigendes Zeichen. Wer mag da über organisatorische Patzer rechten, über Registrierungsfehler oder abwaschbare Tintenmarker?

Letztlich zählt, dass die ersten freien Wahlen einigermaßen fair verlaufen sind. Von Afghanistan dürfte mithin ein Signal für all jene Militärdiktatoren, autoritären Herrscher und Mullahs ausgehen, die noch glauben, Terror sei ein wirksames Instrument zum Machterhalt. Dafür werden vor allem die USA sorgen. Für Präsident George W. Bush hätte es im Wahlkampf kaum eine bessere Nachricht geben können. Bei allen Problemen im Irak kann er nun auf Afghanistan als Vorbild verweisen.

Doch von einem Modellstaat ist das Land am Hindukusch noch weit entfernt. Große Teile werden von Milizführern kontrolliert, der Drogenanbau erlebt neue Rekorde, der Wiederaufbau hat die Provinzen noch längst nicht erreicht. Die Welle der Gewalt im Vorfeld der Wahlen zeigt, dass Sicherheit das Kernproblem für Afghanistan bleiben wird. Ohne Sicherheit gibt es aber keinen Frieden und ohne Frieden keinen stabilen Aufbau.

Afghanistan wird wohl noch auf Jahre hinaus unter dem Schutzschild der Nato leben müssen. Darauf kann sich auch die Bundeswehr einstellen. Doch die Atlantische Allianz muss endlich zu ihren Zusagen stehen. Dauerhafter Erfolg beim „nation building“ wird Afghanistan nur dann beschieden sein, wenn die Nato mehr politischen Willen für eine landesweite Präsenz aufbringt. Zumal Afghanistan nicht nur unter der Bedrohung durch lokale Kriegsherren leidet, sondern auch von Drogenbanden terrorisiert wird. Wenn sich die Nato nicht zutraut, auch die Vertriebskanäle für Rohopium auszutrocknen, bleibt das Land ein unsicheres Pflaster. Und das erschwert es der Regierung, Vertrauen zu gewinnen.

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