WAHLKAMPF
Stiefel und Nobelpreis

Es ist doch wie verhext! Kaum naht die Wahl, schon kommt die Flut. Dabei stand für jeden Parteienforscher eines fest: Bei dieser Bundestagswahl wird nicht wie 2002 ein Hochwasser dem Bundeskanzler die Chance bieten, seine Macherqualitäten zu zeigen.

Jetzt brechen die Dämme doch wieder. Aber diesmal hat einer schneller als Gerhard Schröder die Gummistiefel an: Edmund Stoiber. Er inspiziert die betroffenen Gebiete persönlich und sagt dafür Wahlkampftermine ab, teilt sein Wahlkampfstab mit, damit die Fernsehkameras rechtzeitig am richtigen Ort sind.

Also haben die Demoskopen und Parteiforscher vielleicht völlig falsch gelegen, behalten aber dennoch Recht: Die Flut kommt, bloß hilft sie in diesem Jahr – wenn überhaupt – nicht dem wieder kandidierenden Kanzler, sondern seinem Ex-Herausforderer. Schröders Umfeld setzt mittlerweile stärker darauf, dass auch die zweite angeblich sichere Voraussage der Wahlforscher möglicherweise etwas zu forsch war: dass ganz bestimmt die Ablehnung des Irak-Kriegs dem Kanzler nicht noch einmal die Sympathien der Wähler sichern wird.

Aus gut informierter Quelle sickerte jetzt die – immerhin schon seit sechs Monaten feststehende – Nominierung des Kanzlers für den Friedensnobelpreis durch. SPD-Chef Franz Müntefering hält das für ein „gutes Zeichen“ – welche Überraschung!

Nun entscheidet das Komitee erst einen Monat nach der Wahl. Schlecht für Schröder. Aber auch wieder gut, denn vorgeschlagen ist auch Colin Powell, der als US-Außenminister in der Uno mit einer knallhart getürkten Multimediaschau für den Irak-Krieg geworben hat. Was wird aus den Sympathien, wenn Schröder sich den Preis mit Powell teilen muss?

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