Warum SPD-Chef Müntefering den rot-grünen Rentenpapst Rürup anfeindet
Ein Streit nicht nur um Nullen

SPD-Chef Franz Müntefering zweifelte gestern auf einem Kongress offen die Kompetenz Bert Rürups an. Gereizt reagierte der SPD-Chef vor allem, weil der rot-grüne Regierungsberater praktisch sämtliche Korrekturen der Agenda 2010 und die Millionärssteuer ablehnt.

BERLIN. Man muss seine Thesen nicht immer teilen. Man kann sich an seinen Eitelkeiten stören. Aber als Regierungsberater hat der Darmstädter Ökonomie-Professor Bert Rürup bislang einen untadeligen Ruf. Seit Menschengedenken beeinflusst er maßgeblich die Handlungsstränge der deutschen Sozialpolitik: Für Ex-Minister Norbert Blüm (CDU) hat er den Demografiefaktor erfunden, für dessen SPD-Nachfolger Walter Riester eine Rentenformel entwickelt. Kanzler Gerhard Schröder ließ ihn Blaupausen für langfristige Sozialreformen erarbeiten. Und für Finanzminister Hans Eichel (SPD) ersann Rürup das Modell zur nachgelagerten Rentenbesteuerung.

Doch offenbar hat sich Rot-Grün von dem Mann, der seit März diesen Jahres den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung leitet, massiv entfremdet. SPD-Chef Franz Müntefering zweifelte gestern auf einem Kongress offen die Kompetenz des Ökonomen an. Er titulierte ihn als einen "Mann, der glaubt, dass er Wirtschaftsweiser ist".

Auslöser des offenen und gezielten Affronts in einer ansonsten ruhige Rede war ein Interview, das Rürup am selben Tag der Tageszeitung "Die Welt" gegeben hatte. Darin kritisiert er die vom SPD-Präsidium befürwortete Millionärssteuer als "reine Symbolpolitik", die einen bescheidenen fiskalischen Effekt haben werde, weil schon derzeit die oberen zehn Prozent der Steuerzahler die Hälfte des Einkommensteueraufkommens leisteten.

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