WCM
Nützliche Piraten

An Schadenfreude über das Scheitern von Karl Ehlerding wird es in den nächsten Tagen nicht fehlen. Na klar, ein gewissenloser Spekulant hat sich übernommen und ist spektakulär gescheitert. Doch erfüllen „Corporate Raiders“ wie er eine wichtige Rolle in gesunden Volkswirtschaften.

An Schadenfreude über das Scheitern von Karl Ehlerding wird es in den nächsten Tagen nicht fehlen. Na klar, ein gewissenloser Spekulant hat sich übernommen und ist spektakulär gescheitert. Die Banken werden sich an den Resten seines WCM-Imperiums schadlos halten, und Deutschlands Konzernvorstände können sich endlich wieder sicher fühlen.

Es ist so einfach, „Corporate Raiders“ wie Ehlerding als Sozialschädlinge zu geißeln – der Kinohit „Wall Street“ mit Michael Douglas hat da schon vor 15 Jahren den Ton vorgegeben. Dennoch erfüllen die Firmenpiraten, die unterbewertete und schlecht geführte Konzerne kapern, ausschlachten und mit Gewinn verkaufen, eine wichtige Rolle in gesunden Volkswirtschaften. Sie zwingen Vorstände, einen niedrigen Aktienkurs nicht als Pech für die Aktionäre abzutun, sondern ihn als Gefahr für die Unternehmen zu beachten. Und das bedeutet, die Renditen zu erhöhen und nur rentable Geschäfte zu betreiben. So gesehen gibt es eher zu wenige solcher Piraten.

Doch woran sind aggressive Investoren wie Ehlerding oder auch der Schweizer Shareholder-Value-Prediger Martin Ebner gescheitert? Vor allem an einer menschlichen Schwäche: Größenwahn. Beide haben ein immer gewaltigeres Rad gedreht und ihre Milliarden-Investments zuletzt mit Krediten finanziert. Das aber ist, wie sogar jeder Kleinanleger wissen sollte, tödlich, wenn es mit der Börse abwärts geht.

Bei Ehlerding war es der Commerzbank-Coup, der den Niedergang einleitete. Statt nach der erprobten Raider-Methode ein mittelgroßes Unternehmen zu kaufen, umzukrempeln und mit Gewinn wieder zu verkaufen, griff er mit einem Anteil von nur wenigen Prozenten und viel Getöse nach der prestigeträchtigen Großbank. So verbreitete er zwar in der Frankfurter Finanzszene Angst und Schrecken, aber der Vorstoß zur Fusion der Commerzbank mit einem anderen Institut scheiterte. Eine Niederlage einzugestehen, brachte Ehlerding nicht fertig: Er erhöhte lieber den Einsatz. Nun drücken ihn die Schulden nieder.

Ehlerdings Niedergang bedeutet noch lange nicht, dass das Geschäftsmodell „Corporate Raider“ in Deutschland gescheitert ist. Unterbewertete Firmen an der Börse werden auch in Zukunft Käufer anlocken. Und die beste Abwehrstrategie dagegen sind zufriedene Aktionäre.

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