Web 2.0 im Unternehmenseinsatz
„Im Wiki haben Besserwisser keine Chance“

Ein verbesserter Informationsfluss, lebendige Prozesse statt statischer Protokolle und ein modernes Knowledge-Management - all das hört sich gut an. Doch was steckt eigentlich genau hinter dem "Buzzword" Enterprise 2.0? Handelsblatt.com sprach mit Experten und erhielt erstaunliche Antworten. Denn eigentlich geht es gar nicht in erster Linie um die Technik.

DÜSSELDORF. Kundenservice, Qualitäts- und Wissensmanagement - all das wird in Unternehmen heute fast ausschließlich computergestützt geleistet. Der statische Ablauf gleicht trotzdem meist dem von vor dreißig Jahren. Dabei könnten Unternehmen viel von der Dynamik des Web 2.0 lernen, glaubt Björn Negelmann, Veranstalter des » Enterprise 2.0 Summits auf der CeBIT.

Wie Unternehmen vom Web 2.0 profitieren können, wollen die Organisatoren am heutigen Dienstag in Halle 8 der CeBIT ab 11 Uhr den Firmenlenkern näher bringen. Das Thema sei vor allem bei deutschen Unternehmen noch nicht richtig angekommen, bemängelt Negelmann. "Der überwiegende Teil der Interessenten kommt aus dem europäischen Ausland, das Thema ist bei den deutschen CEOs einfach noch nicht virulent", berichtet er Handelsblatt.com. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen interessierere das Thema bisher so gut wie gar nicht.

Zu Unrecht glauben die Veranstalter, denn die Techniken des Web 2.0 böten so gut wie allen Branchen und Unternehmensgrößen interessante Möglichkeiten. Vor Ort präsentiert beispielsweise Wieland Stützel, Senior Manager für Knowledge Management des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport AG, wie das von Wikipedia bekannte Wiki-Prinzip auch im Unternehmen funktionieren kann. "Alle reden von Wikis, wir nutzen sie"; sagt er im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Seit Mitte 2007 betreibt die Fraport AG ein internes Wiki für das Wissensmanagement des Unternehmens. Das "Skywiki" dient dazu, Wissen des Konzerns zu finden, zu teilen und verfügbar zu machen – ganz ähnlich wie beim Vorbild Wikipedia, einem Lexikon, bei dem jeder alles ändern kann. Dabei nutzt die Fraport AG mit dem » Mediawiki dieselbe Software, die auch die Grundlage für die Wikipedia bildet. Weil es sich dabei um Open-Source-Anwendung handelt, konnte der Konzern das Mediawiki an die speziellen Bedürfnisse des Unternehmens anpassen.

"Derzeit finden sich mehr als 1 100 Artikel rund um das Unternehmen und den Luftverkehr im Fraport-Wissensportal, über 340 Nutzer haben sich als Autoren angemeldet" berichtet Stützel. Das Wiki-Prinzip helfe insbesondere, die Unternehmenskultur zu fördern. "Querulanten und Besserwisser, die sich gerne an Fehlern anderer laben, haben hier keine Chance: Denn sie können stattdessen jederzeit einen Artikel ändern oder gar die Löschung beantragen - oder aber schweigen", so der Senior Manager. Letztlich gehe es beim Thema Enterprise 2.0 also weniger um die eingesetzte Technik, als vielmehr um eine Veränderung der Unternehmenskultur: "Das Thema Wissensmanagement, Wiki etc. ist keines der Technik - das ist meine klare Botschaft."

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