Wechsel zu HP
Apotheker ist der richtige Mann

Leo Apothekers Wechsel an die Spitze von HP hat viele Zweifler auf den Plan gerufen. Ist er ein technologischer Visionär? Die Kritik ist falsch und ungerecht. Immerhin musste er SAP durch die wohl schwierigste Zeit steuern. Interessanter aber ist, dass Apothekers Wechsel für eine Trend steht: die zunehmende personelle Vermischung von IT-Bereichen. Ein Kommentar von Jens Koenen
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Böser könnten die Kommentare zum Start eines neuen Jobs kaum sein. Kaum hatte der Verwaltungsrat des IT-Riesen Hewlett-Packard am Donnerstag verkündet, dass der Anfang des Jahres bei SAP geschasste Leo Apotheker neuer Konzernchef wird, da meldeten sich die Zweifler auch schon lautstark zu Wort. Ein guter Vertriebsmann sei Apotheker, aber ein technologischer Visionär? Kann einer, der bei SAP nicht reüssierte, eine 100 Milliarden-Company führen?

Er kann. Natürlich hat Apotheker bei SAP Stockfehler gemacht. Die Kommunikation höherer Wartungspreise war ein Gau. Auch bei den Mitarbeitern in der wichtigen Konzernzentrale in Walldorf konnte er niemals so richtig landen. Aber Hand aufs Herz: Seine wesentlichen Ziele bei SAP, höhere Marge, noch breitere Kundenschar, gelten noch heute, werden von der neuen Doppelspitze unverändert weiterverfolgt.

Apotheker völliges Versagen vorzuwerfen, ist falsch und ungerecht. Immerhin musste er das Unternehmen durch die wohl schwierigste Zeit steuern, die das Unternehmen jemals hatte. Er war es, der den ersten größeren Stellenabbau bei SAP durchsetzte. Er war es, der die Kosten drückte.

Und damit ist die Brücke zu HP geschlagen. Denn Apothekers Vorgänger, der wegen persönlicher Verfehlungen geschasste Mark Hurd, tickt ähnlich. Konsequent hat er HP entschlackt, die Kosten gedrückt, den Vertrieb weiter professionalisiert und die Marge nach oben gebracht. Warum also sollte Apotheker per se ein schlechterer CEO sein?

Interessanter ist freilich die zunehmende personelle Vermischung von IT-Bereichen, die viele Jahre weitgehend separat waren. Ex-HP-Chef Hurd wechselt zum SAP-Rivalen Oracle, HP holt sich SAP-Mann Apotheker und auch den langjährigen Oracle-Topmanager Ray Lane. Was sich auf der Technologieseite seit längerem vollzieht, findet nun auch immer stärker an den Unternehmensspitzen Widerhall: Die Rückkehr zum alten Prinzip, alles aus einer Hand anzubieten.

Die viele Jahre geltende Aufgabenteilung, eine SAP oder Oracle bieten Software, HP oder IBM die dazu passende Hardware und Beratung an, ist zunehmend passé. Oracle hat sich mit Sun einen Hardware-Spezialisten ins Boot geholt, liebäugelt nun sogar mit einem Chip-Hersteller. IBM und auch HP kaufen seit einiger Zeit vor allem bei Software zu.

Die wirklich relevante Frage hinter der Berufung von Apotheker lautet: Wird der Software-Manager diesen Kurs bei HP noch verstärken? Die Chancen dafür stehen gut. Immer stärker wird Oracle zum direkten Kontrahenten von HP. Der muss sich wehren. Wer weiß, vielleicht auch irgendwann mit der Übernahme des Unternehmens, das Apotheker Anfang des Jahres in die Wüste schickte?

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